2011/06/29

Altbewährtes von der Religion des Friedens

Bloggerkollege Le Penseur hat kürzlich in einem höchst lesenswerten Beitrag auf einen Artikel verwiesen, in dem es um das Thema Nr. 1 unserer Tage geht: die Religion des Friedens.

Nicht, dass darin viel Neues oder Überraschendes oder gar Unbekanntes stünde. Wer mit einigermaßen offenen Augen durch die Welt geht und sein Oberstübchen noch nicht vollständig durch die PC-Wäsche hat laufen lassen, dem wird die Lektüre dieses Papiers zwar den einen oder anderen Augenblick der Beklemmung verursachen, aber die Inhalte sind eben (leider) nicht wirklich unerwartet.

Bei näherer Betrachtung handelt es sich bei diesen Dingen also weniger um wirklich Neues als vielmehr um Altbewährtes: Frauen als Menschen zweiter Klasse, Ehrenmorde, Diskriminierung (bis hin zur Ermordung) von Ungläubigen, Todesdrohungen gegen Apostaten, Gewalt gegen Homosexuelle, Verheiratung minderjähriger Mädchen, mittelalterliche Strafmethoden (oder gab es Steinigungen nicht schon in der Antike?) und natürlich die latente Gewalt bis hin zum offenen Terror gegen alles, was im Widerspruch zur reinen Lehre steht.

Angesichts dieses Registers, das seit Jahrzehnten mit immer neuen Details aufgefüllt wird, halte ich es für unzutreffend, wenn in diversen Foren über Neuigkeiten von der Religion des Friedens berichtet wird. Diese Neuigkeiten berichten in der Tat stets das Alte, das tagtäglich vor unserer Tür, in unseren Hinterhöfen, in den Parallelwelten hunderter, wenn nicht Tausender Stadtteile (allein in Frankreich gibt es 751 zones urbaines sensibles) in ganz Europa geschieht. Und so wie es aussieht, wird sich daran auch in den nächsten 5000 Jahren nichts ändern.

Ach ja, und hier ist die jüngste Neuigkeit von der RdF. Ist aber auch nicht wirklich neu, oder?

2011/06/27

2011/06/25

Klimaretter in der Praxis

Wenn es darum geht, das Klima unseres Planeten zu retten (was immer das heißen mag), dann prasseln unendliche Begriffsgewitter auf uns ein: Ökologischer Fußabdruck, CO2-Äquivalent, Emissionsziele, steigende Meeresspiegel, schmelzende Gletscher und natürlich der ewige Eisbär auf seiner Scholle sollen uns einen Eindruck vom Ernst der Lage geben. Nun sind die wenigsten Leute in der Lage, sich darunter etwas Konkretes vorzustellen. Wissen Sie, wie viel CO2 Ihr Auto ausstößt? Na eben. Aber wieviel Benzin oder Diesel es verbraucht, das wissen Sie. Klar doch! Nun, CO2-Ausstoß und Treibstoffverbrauch hängen direkt miteinander zusammen. Und das Maß für den Verbrauch bekommen Sie direkt an der Tankstelle. Warum also von der anschaulichen Tankfüllung auf die unanschauliche CO2-Wolke (und deren Gewicht) umsteigen?

Nach jahrelanger propagandistischer Vorarbeit in den Medien weiß inzwischen jeder, dass es darum geht, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die Vereinten Nationen (UN) haben als Richtwert eine CO2-Emission von einer (!) Tonne pro Person und Jahr festgelegt. Wenn niemand auf der Erde diesen Wert überschreitet, könne die Erwärmung der Atmosphäre aufgehalten und der Planet gerettet werden.

Wie aber soll das Leben aussehen, wenn wir tatsächlich das UN-Ziel von einer Tonne CO2 pro Person und Jahr erreichen wollen? Um die Sache etwas anschaulicher zu machen, hat man in Schweden ein Projekt namens One Tonne Life ins Leben gerufen, das in diesen Tagen zu Ende gegangen ist. Eine vierköpfige Familie verließ zu diesem Zweck ihr vertrautes Domizil und zog in ein extrem energiesparendes Holzhaus. Dazu kamen (natürlich) noch ein Elektroauto, 100% Strom aus erneuerbaren Quellen, die neueste Energietechnologie und Energy coaching (was immer sich dahinter verbergen mag). Doch das allein genügte längst nicht, um den familiären CO2-Durchschnitt von ursprünglich 7,29 Tonnen auch nur in die Nähe der Zielmarke von einer Tonne zu bringen.

Also mussten weitere Opfer gebracht werden. Beim Essen zum Beispiel. In einer letzten Kraftanstrengung lebte Familie Lindell ausschließlich vegetarisch und Milchprodukte wurden durch Soja und andere Alternativprodukte ersetzt. Schließlich reichte auch das nicht, und die Familie musste auf Fernsehen, Einkaufen und auf Cafe- und Restaurantbesuche verzichten, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Außerdem wurde einer der Räume des Hauses nicht weiter benutzt. So macht CO2-Sparen Spaß!

Doch der Schweiß war nicht umsonst. Schließlich schaffte es die Familie, auf 1,6 Tonnen pro Nase und Jahr herunter zu kommen. Das ist zwar immer noch ein gutes Stück von der Idealwelt entfernt. Aber mehr war wohl nicht zu machen.

Natürlich ist das nur ein Laborexperiment. Nichtsdestoweniger lässt es erkennen, was auf uns zukommt, wenn wir die Klimaziele ernst nehmen wollen. Das Leben, so wie wir es kennen, wird definitiv anders aussehen. Schlaue Ökonomen wie z. B. Nicholas Stern, haben ausgerechnet, welche enorme Kosten durch den Klimawandel zu erwarten sind. Nun, das One Tonne Life-Experiment lässt jedenfalls den Schluss zu, dass in einer CO2-schlanken Welt die Zahl der Beschäftigen im Gastgewerbe deutlich zurückgehen dürfte. Und wahrscheinlich nicht nur dort, denn TV-Geräte werden dann ebenso wenig gebraucht wie Fleischprodukte und anderes. Ob die entsprechenden Jobverluste bereits in Sterns Modell enthalten sind?

Besonders bemerkenswert ist folgendes Zitat auf der Website des Projekts:

The family’s 80 percent drop shows that the government’s climate target of a 40 percent reduction in Swedish carbon dioxide emissions by 2020 is already within the reach of the average household using the best available know-how and technology.

Wenn man also die familiären Einsparungen von 80 Prozent zugrunde legt, dann sollten die 40 Prozent weniger CO2, die von der schwedischen Regierung anvisiert werden, in der Tat machbar sein. Allerdings zeigt das Experiment eben auch, dass die 80 Prozent weniger überhaupt noch nicht ausreichen, um die internationale Messlatte zu unterschreiten. Ob eine derartige Kasteiung um des Klimas willen mit der gesamten Bevölkerung zu machen ist, bleibt abzuwarten.

2011/06/21

Kennen Sie Tommy Johansson?

Nein? - Ich auch nicht!
Und dafür dürfte es jetzt auch zu spät sein. Denn Tommy Johansson ist nämlich tot. Bestialisch ermordet von drei Namenlosen, die das Geschehen mit einer Handy-Kamera festhielten.

Es ist wie bei Urlaubsfotos. Wenn man sie später wieder ansieht, weckt das schöne Erinnerungen. Vermutlich dachte das mörderische Trio ganz ähnlich.

Aber die Fotos sind eigentlich nebensächlich. Entscheidend ist ist in diesem Zusammenhang etwas anderes. Bei Kriminaldelikten erfahren wir nämlich immer deutlich mehr Details über das Opfer als über die Täter. Das Verbrechensopfer wird mit vollem Namen in die Öffentlichkeit gezerrt, während die Täter den Schutz der Anonymität genießen dürfen.

Wie wäre es einmal umgekehrt, zur Abwechslung? Das Opfer anonymisieren und stattdessen die Täter an die Pranger stellen. Oder ist es so, dass die Täter besonders geschützt werden müssen?

2011/06/20

Glaubwürdigkeit

Wenn unsere glaubwürdigen Eliten über die Glaubwürdigkeit anderer (z. B. Staaten) sprechen, dann klingt das so:


„Ich bin fest davon überzeugt, dass Griechenland diese Hilfe nie wird in Anspruch nehmen müssen, weil das griechische Konsolidierungsprogramm in höchstem Maße glaubwürdig ist.“
Luxemburgs Premierminister und Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker am 25.3.2010

Noch Fragen? 


2011/06/19

Paradise lost

Eigentlich sollte der Brüsseler Stadtteil Molenbeek alle Voraussetzungen haben, um als Paradies des Multikulturalismus zu gelten. Kulturelle Bereicherung gibt es dort wirklich überreich. Merkwürdigerweise scheinen dies nicht alle Leute so zu sehen, auch nicht solche, die eigentlich als nimmermüde Propagandisten von MuKu gelten. So tat sich die in Molenbeek ansässige Werbeagentur Mortierbrigade unter anderem mit einer Kampagne zum Thema "Straat zonder haat" (Straße ohne Hass) hervor.

Offenbar galt dieses Motto nicht in der Straße, wo die Werbeleute arbeiteten. Sie scheinen sich in ihrem kriminell bereicherten Viertel nicht mehr wohl zu fühlen und ziehen weg. Man könnte auch sagen: die Kuffar packen ihre Koffer.

Hoffentlich können die sensiblen Werber in ihrem neuen Arbeitsquartier wieder ungestört schöpferisch tätig sein und sich neue MuKu-Propaganda ausdenken. Wie wär´s mit folgendem Spruch: Straße ohne Kuffar?

2011/06/18

Jedes Detail ist wichtig....

....besonders dann, wenn es darum geht, es wegzulassen.
Und wann werden in den Medien Details gerne weggelassen? Genau, wenn es um Verbrechen geht, bei denen der Täter zu einer Gruppe gehört, deren Herkunft nicht genannt werden darf.

Der Fall: Eine junge Frau aus Schweden wurde in einem Hotel in Südspanien von einem Mann erstochen.

Hier ist der Bericht der spanischen Zeitung El Pais, die bestimmt nicht des Rechtsextremismus verdächtig ist. Nach dieser Darstellung ist der Täter maghrebinischen Ursprungs.

Was sagen die schwedischen Medien? Hier als Beispiel Expressen und The Local. Die Herkunft des Mörders wird dezent verschwiegen. Gleichzeitig wird festgestellt, dass der Täter ein 30jähriger Mann ist. Eigentlich erstaunlich, dass man so viele Informationen preisgibt. Schließlich könnte man das Ganze als Diskriminierung der 30jährigen Männer verstehen. Ein Klarer Fall für den DO (Diskriminierungsombudsmann).

2011/06/15

Angstkult

Zitat aus einem Online-Kommentar zu Jan Fleischhauers Artikel Aber ich habe Angst:
Lassen Sie uns mal über Angst nachdenken.
Angst, das ist Selbsterhaltung. Das ist etwas Gutes, Herr Fleischhauer. Angst, das ist der Trieb mit dem das Individuum sich selbst bewahrt; sich schön am Leben hält, um genügend Zeit zu haben, um ganz viele, kleine Gottesgeschöpfe hinter sich her zu zeugen. Ist das nicht fantastisch? Familie, meine Güte!

Angst, ein Gefühl, dass sich furchtbar anfühlt, aber Leben erhält und dafür sorgt, dass es weitergereicht werden kann. Von Generation zu Generation. Glaube, Sitte, Heimat, Tradition. Wie viele Menschen würden ohne Angst wohl einen einzigen, beliebigen Tag überstehen, Herr Fleischhauer? Sie kennen die Antwort.

Angast ist etwas Wunderbares! Selbsterhaltung, die Fortpflanzung überhaupt erst ermöglicht. Das müsste ihr Herzchen doch mit Freude erfüllen. Beständigkeit! Werden und Wachsen! Schönes bleibt! Ein Traum.

Da ist er wieder, der Angstkult, von dem in meinem letzten Posting die Rede war. Die Angst als Lebenselixir. Man meint beinahe die Angst des Posters vor einem angstfreien Leben zu spüren.

Doch kommt mir ein unheimlicher Verdacht. Wenn der gute Poster von Angst redet, meint er solche Dinge wie: Atom-Angst, Biotechnologie-Angst, Kapitalismus-Angst, Technik-Angst etc.

Ich frage mich, ob er auch  folgende Ängste zulassen würde: Angst vor Zuwanderung, Angst vor Islamisierung, Angst vor der Einführung von Schariagerichten. Oder gibt es vielleicht "gute" und "schlechte" Ängste, so wie andere Leute von "guten" und "schlechten" Steuern reden?

2011/06/14

Ratio versus Emotio

Vernunft gegen Gefühl. So in etwa kann man den gegenwärtigen Zustand des Westens beschreiben. Obwohl es vernünftige Gründe gibt, etwas Bestimmtes zu tun, wird aus einer Woge von Emotionalitäten heraus genau das Gegenteil davon getan. Hinterher wird das Ganze dann mit pseudorationalen Argumenten aufgefettet, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Der Schlüssel zu dieser neuen Emotionalität steckt in der Angst, die derzeit (und wohl schon seit einigen Jahren) einen wahren Kult erlebt. Die Mutter aller Ängste ist, jedenfalls im deutschsprachigen Raum, die Atom-Angst. Und gleich dahinter kommt die Gen-Angst. Oder ist es vielleicht umgekehrt?

War es noch vor wenigen Jahrzehnten beinahe ein Tabu, von seinen eigenen Ängsten zu sprechen, so hat sich die Stimmungslage seither deutlich verändert. Inzwischen kann man mühelos zum Helden mutieren, wenn man laut und deutlich sagt: Ich habe Angst. Im Zeitalter des Genderismus gilt das selbstverständlich auch für Männer. Sie brauchen ihre Ängst nicht mehr zu verstecken, sondern werden ausdrücklich aufgefordert, sie "auszuleben".

Wer jedoch den "klassischen" Helden mimt, also jenen Tausendsassa, der allen Widrigkeiten zum Trotz seine Ängste überwindet und sich einer drohenden Gefahr entgegen stellt, der erntet bestenfalls mitleidige Blicke. Von Dank und Anerkennung keine Spur. Dies ist ein Geistesklima, das das Hervorbringen neuer (echter) Helden sichtbar erschwert. Wer setzt sich schon einem Risiko aus, nur um hinterher als Vollidiot dazustehen? Das wiederum hat sehr viel mit Rationalität zu tun.

Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch, sagte Goethe. Wie recht er hat, wird an der Problematik von Ratio vs. Emotio deutlich. Denn auch emotionsgetriebene Menschen verhalten sich oft durchaus rational. So können diese Leute beispielsweise lautstark für die Aufnahme von Asylanten eintreten. Wenn jedoch die Anzahl der Asylbewerber in ihrem eigenen Lebensumfeld steigt, packen sie gerne ihre Sache und ziehen in eine "sichere" Gegend. Wegen der Kinder.

Und natürlich haben umgekehrt Verstandesmenschen Emotionen. Niemand ist eine Maschine. Allerdings haben die Rationalisten einen anderen Zugang zu Problemen und ihren Lösungen. Sie sind sich im Allgemeinen der Stärken und Schwächen ihres Verfahrens bewusst. Wenn er eine bestimmte Entscheidung trifft, hat er zuvor alle Argumente abgewägt.

Der Gefühlsmensch hingegen meint ohne rationale Analyse auskommen zu können. Es genügt ihm, auf sein Gefühl zu hören und sich nach einer getroffenen Entscheidung "gut zu fühlen". Jetzt wird eben alles gut.

Natürlich ist damit noch keineswegs gesagt, wer im Einzelfall recht hat. Es mag ja sein, dass der Emotionalist (wie im Lotto) auf den richtigen Weg gesetzt hat. Ebenso wie es passieren kann, dass der Rationalist eine Niete gezogen hat. Aber im Allgemeinen wird der Rationalist weitaus häufiger richtig liegen, ganz einfach schon deswegen, weil ein bestehendes Problem einer sorgfältigen Analyse unterzogen hat und somit besser Bescheid weiß als der reine Gefühlsmensch, der sich das alles ersparen zu können meint.

Wenn beide, also Ratio und Emotio, mit ihrer Entscheidung richtig liegen, ist die Sache trivial. Spannend wird es hingegen, wenn beide falsch liegen. Denn dann geht es darum, die Ursachen für die Fehlentscheidung zu finden und zu benennen. Der Rationalist wird sich einmal mehr über die Fakten beugen und alles analysieren. Im Normalfall wird er dann herausfinden, dass die eine oder andere seiner Annahmen falsch war. Wenn man diese dann korrigiert, kommt man zwangsläufig zu einer neuen Lösung. Alles ganz rational.

Der Emotionalist hingegen ist bei einer Fehlentscheidung in einer ganz anderen Lage. Er hat ja keine Faktenbasis, die er nochmals unter die Lupe nehmen könnte. Seine einzige Faktenbasis ist sein Gefühl. Und er wird wohl schwerlich zugeben, dass ihn sein Gefühl getäuscht hat. Dennoch muss eine Erklärung für seine Fehlentscheidung her. Nachdem sein Verfahren quasi unfehlbar ist, muss eine äußere Ursache für den Fehler vorliegen. Also macht man sich auf die Suche nach einem Sündenbock. Jemand, der den eigenen Absichten entgegen arbeitet. Unheimliche Mächte, die über ungeahnte Kräfte verfügen und so das geplante Paradies zerstören. Hier liegt die Quelle für etliche Verschwörungstheorien.

Die Fehleranalyse eines Gefühlsmenschen wird also genauso unreflektiert sein wie seine ursprüngliche Problemlösung. Das Einzige, was er ins Treffen führen kann, ist die Stärke seiner Emotionen. Und die werden im Falle des Misslingens eher noch stärker.

Leider ist es in der jüngsten Vergangenheit den Emotionalisten gelungen, die Ratio in Verruf zu bringen. Wer sich auf rationale Argumente beruft, hat nicht nur einen schweren Stand, sondern kann froh sein, wenn ihm überhaupt zugehört wird. Rationalismus gilt als kalt und unmenschlich. Überhaupt das genaue Gegenteil dessen, was man beispielsweise als soziale Wärme bezeichnet. Was immer Letzteres auch sein mag. Es klingt irgendwie kuschelig, so als würde man an einem kalten Wintertag zu Hause vor dem warmen Kamin sitzen und eine heiße Tasse Tee schlürfen. Da ist es gemütlich, während draußen der kalte Wind tobt. Deswegen wecken Leerformeln wie soziale Wärme auch so positive Assoziationen.

Rationalität hingegen bedeutet Arbeit. Man muss sein Oberstübchen schon ein bisschen auf Trab bringen, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Das kann schwierig sein und dauern. Und am Ende kann es häufig so sein, dass man keine ideale Lösung vorzuweisen hat, weil jede irgendwo Unzulänglichkeiten aufweist. So bleibt also ein Rest von Unsicherheit zurück. Dennoch kann man sich mit guten Gründen für genau eine bestimmte Lösung entscheiden. Und wenn sie sich nicht bewährt, kann man sie mit ebenso guten Gründen verwerfen und eine andere ausprobieren. Ja, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Von derartigen Zweifeln ist der Emotionalist weit entfernt. Sein Bauch sagt ihm, wo´s langgeht. Wozu lange nachdenken und abwägen? Da wird man doch nur irre!

Was die Dauer der Entscheidungsfindung betrifft, ist der Emotionalist wahrscheinlich im Vorteil. Was die Qualität der getroffenen Entscheidungen betrifft, wird es allerdings genau andersherum sein. Es war kein Zufall, dass die entscheidenden Fortschritte der Menschheit sich im Anschluss an das Zeitalter der Aufklärung einstellten, als sich die Tragweite und Schlagkraft rationalen Denkens offenbarte. Gewiss gab es immer Gegenreaktionen zu bestehenden Trends, und der Rationalismus musste irgendwann auf seine Widersacher treffen (wie es ja auch in der Geschichte der Fall war). Dies scheint auch jetzt der Fall zu sein. In einer hoch komplexen Welt wie der unsrigen ist es allerdings riskant, auf die Stärken des rationalen Denkens zu völlig verzichten. Etwas mehr Vernunftgebrauch täte uns allen gut.

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Sagt Immanuel Kant. Vielleicht war sein Urteil etwas hart gegenüber seinen Zeitgenossen, insbesondere was das Adjektiv selbstverschuldet betraf. Schließlich war Unmündigkeit bis dahin im wesentlichen der Normalzustand. Wenn allerdings der Mensch des 21. Jahrhunderts so leichtfertig alle Rationalität hinter sich lässt, dann ist es in der Tat gerechtfertigt, von einem selbstverschuldeten Ereignis zu sprechen. Und es wird eines gehörigen Stückes Arbeit bedürfen, um sich eines Tages aus dieser nunmehr wirklich selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien.

2011/06/09

Der Westen integriert sich

Na also geht doch. Wenn schon die afghanischen Taliban nicht auf den Westen zugehen (es sei denn in Gestalt von Sprengstoffgürtelträgern), dann müssen eben die Alliierten den ersten Schritt machen. Ein Anfang ist immerhin gemacht, seit die offizielle Sprachregelung der USA nicht mehr von Terrorakten sprechen will, sondern vielmehr von man-caused disasters. Wer hat da bloß wieder den falschen Gürtel angezogen?

Und den Worten sollen jetzt auch Taten folgen. Irgendwie muss es doch zu schaffen sein, die Taliban an der Regierung zu beteiligen! Und die UNO weist den Weg. Die obersten Weltbürokraten schlagen demnach vor, die Taliban von der Terrorliste zu streichen. Keine schlechte Idee. Immerhin geht dann die Zahl der Terroristen signifikant zurück, und das tut der Statistik gut. Wer in Zukunft mit einem geladenen Gürtel herumläuft und in der Nähe einer Menschenansammlung - versehentlich, versteht sich - den falschen Knopf drückt), wird einfach - post mortem - als psychisch gestört deklariert.

Die Welt kann so einfach sein! Und auch die USA erweisen sich als äußerst lernfähig. Vorbei sind die Tage, als  unconditional surrender der Weisheit letzter Schluss war. Ich will damit nicht sagen, dass die bedingungslose Kapitulation die einzige Option ist. Aber es mutet irgendwie merkwürdig an, wenn man Leuten, die sich nicht an demokratischen Wahlen beteiligen, sondern nur mit militärischen Mittel kommunizieren, einen roten Teppich ausrollt. Es sollte wohl selbstverständlich sein, dass Leute, die an einem demokratischen System mitarbeiten wollen, zuallererst ihre Waffe niederlegen und Beweise dafür vorlegen, dass ihre friedlichen Absichten glaubwürdig sind.

Aber vermutlich würde man mit einer Forderung nach einem Gewaltverzicht nur "religiöse Gefühle" verletzen. Und sowas sollte man auf jeden Fall vermeiden. Denn Beleidigte sind bekanntlich unberechenbar.

2011/06/08

Wetten dass...?

Stellen wir uns mal Folgendes vor: Angenommen, es gäbe einen begründeten Verdacht, dass EHEC (also jene Seuche, die in Deutschland nachweislich mehr Opfer gefordert hat als ein kürzlich erfolgter Reaktorunfall in Japan) durch den Einsatz von Kunstdünger verursacht wäre. Welches Rauschen würde den Blätterwald wohl durchziehen? Schlagzeilen wie: Künstliches Essen bringt uns um! oder Die moderne Agrartechnologie geht über Leichen! wären wohl an der Tagesordnung. Im Stundentakt würde uns vorgerechnet, wie viel Lebenszeit uns der Einsatz der teuflischen Technologie kostet. Man stelle sich vor, entsprechendes wäre mit gentechnisch modifizierten Lebensmitteln passiert....

Doch Pustekuchen. Diesmal steckt der Teufel in einer Ecke, die so gar nicht nach dem Geschmack der moralisierenden Medien ist. Als Verursacher kommt eigentlich nur sogenanntes Biogemüse in Betracht. Also Dinge, die nach herkömmlicher Meinung verdammt gesund sind.

Aber was machen die Medien angesichts dieser unerwarteten Sachlage? Wird jetzt Biogemüse in Bausch und Bogen verdammt? Wird ein Verbot der biologischen Landwirtschaft gefordert? Motto: Wie viele Menschen müssen eigentlich noch sterben? Wir müssen jedes Risiko vermeiden! Alternativlos!

Nichts von alledem. Das Bio-Dogma bleibt unangetastet, so wie das katholische Dogma der Jungfräulichkeit Marias. Trotzdem bleibt die Lage unbefriedigend: 22 Tote und noch kein Verdächtiger. Da gilt es Sündenböcke zu finden. Einer der Vorreiter in dieser Disziplin ist ein alter Bekannter: der Spiegel. Und so nimmt es nicht wunder, wenn SpiegelOnline andere Ziele ins Visier nimmt. Zugegeben: die zuständigen Politiker sind nicht immer jene Wunderheiler, als die sie sich gerne hinstellen. Aber dass die Quelle der Infektion bislang unentdeckt geblieben ist, kann man ihnen schwerlich anlasten.

Ich bin sicher, dass die zuständigen Laboratorien alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Ursprung des Desasters festzumachen. Aber Wissenschaft ist manchmal ein langatmiges Geschäft. Da lassen sich stichhaltige Ergebnisse nicht immer so schnell gewinnen, wie man es gerne hätte. Einzige Ausnahme: die Klimaforscher, die bekanntlich jetzt schon wissen, wie das Wetter am 9. Juni 2153 sein wird. Ja, überhaupt: vielleicht sollte man mal die Klimapropheten auf dieses Rätsel ansetzen. Wetten, dass CO2 als Ursache herauskommt?

Doch Spaß beiseite. Es ist in der Tat auffällig, wie die Medien (und die ihnen nachgeordneten Politiker) mit dieser Situation umgehen. Anstatt sofort Ethikkommissionen einzusetzen und eine Reihe Risiko behafteter Biobauernhöfe einem umfassenden Stresstest auszusetzen, werden die immanenten Unzulänglichkeiten der Biolandwirtschaft keiner weiteren Kritik (oder wenigstens Analyse) unterzogen.

Wetten, dass dies ganz anders wäre, stünde die konventionelle Landwirtschaft unter Verdacht?

Nicht schießen, bitte!

Und wieder erschüttert ein moralisch verwerfliches Geschehen die deutschen Lande (Käßmann übernehmen Sie!). Da haben doch Kinder in einer Kaserne Krieg gespielt! Um genau zu sein: Sie guckten durch ein Zielfernrohr! Jungchen, diese Dinger sind doch nicht zum Durchgucken da! Nur ganz böse Menschen tun das! So wird also unsere Jugend verzogen! Unmöglich so etwas!! Hätten sie doch lieber üben sollen, wie man einen Selbstmordbomber an sein Herz drückt! Kein Wunder, dass die Taliban nicht moderater werden! Ein klarer Fall für den Staatsanwalt!

Übrigens, da fällt mir ein: Ich habe auch vor vielen Jahren mit anderen gleichaltrigen Jungs Krieg gespielt! Oh Schande! Aber, was soll ich tun! Jetzt ist es zu spät! Ich erwarte täglich den Staatsanwalt vor meiner Haustür. Eben hat´s geklingelt!

2011/06/07

Nachsatz zu Käßmann

In meinem letzten Eintrag ging es um die Frage, ob Margot Käßmann und die Taliban (lieber mit ihnen beten, als sie zu bombardieren) überhaupt miteinander können. Meine Zweifel daran werden immer größer. Immerhin ist Frau Käßmann als alkoholisierte Autofahrerin in Erscheinung getreten. Da kommen für die stramm Rechtgläubigen gleich zwei Sünden zusammen: alkoholisiert und AutofahrerIN. Wenn das der M. wüsste! Also ehrlich gesagt: So wird das mit dem gemeinsamen Beten wohl nichts.

Macht nichts. Bomben wirken sowieso besser.

2011/06/05

Käse von Käßmann

SpiegelOnline berichtet über die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann. Doch bevor es im Detail um diese Frau und ihren Anhang geht, zwei Vorbemerkungen:

Thilo Sarrazin hat einmal während einer Diskussionsveranstaltung etwas sehr Richtiges gesagt: "Die meisten Menschen suchen nach Bestätigung". Die Argumente, die wir uns ohnehin schon zu eigen gemacht haben, werden von uns positiv aufgenommen. Gegenargumente eher negativ. Zumindest dann, wenn Argumente im Spiel sind. Allzu häufig sucht man jedoch vergeblich nach Argumenten. Und gerade die Sarrazin-Debatte liefert ein erstklassiges Beispiel dafür, wie man auf sachlich vorgebrachte Argumente (von Sarrazin) mit unsachlichen Pauschalitäten reagiert, indem man ihn nach Kräften in die Rassistenecke abzuschieben versucht.

Die zweite Vorbemerkung geht so: Der Beginn des Jahres 2000 war in politischer Hinsicht sehr stürmisch in Österreich, hatte es doch die vielerorts geächtete FPÖ in die Regierungsverantwortung geschafft. Nationaler und internationaler Aufruhr waren die Folge. Als ich mich wenig später mit einer Österreicherin über diese Sache unterhielt, führte sie ein Argument ins Feld, das mich erstaunte: Sie sprach von einem Professor in Antwerpen, der sich "mutig" (ihre Worte) gegen die Mitte-rechts-Koalition in Österreich ausgesprochen hatte. Dass sich Leute überall in Europa negativ zu dieser Regierungskonstellation äußerten, war ja nicht weiter überraschend. Wenn man mit diesen Leute sprach, konnte man meinen, im Alpenstaat würden wieder braune SA-Horden aufmarschieren. Was mir im Gedächtnis blieb, war dieser Ausdruck: mutig. Ein Typ, den 99% der Österreicher nicht kennen und der 1000 km vom Zentrum des Geschehens entfernt sitzt, ist also dann als "mutig" zu bezeichnen, wenn er sich gegen eine bestimmte Regierung ausspricht. Das hat was!

Übrigens: die Frau, um die es geht, war damals etwa um die Mitte Vierzig, und somit genau in jener Altersgruppe, in der auch Bischöfin Käßmann ihre treuesten Anhängerinnen rekrutiert. Hier schließt sich also der Kreis zur Ex-EKD-Vorsitzenden. Es ist dieselbe Art von "Mut", die Käßmann zur "Mutbürgerin" macht. Irgendwie erinnert das Ganze an die Rituale von Schamanen: Wenn man nur das richtige Wort oft genug und laut genug ausspricht, dann gehen die eigenen Wünsche in Erfüllung.

Die Frage ist nur, ob das auch für die Taliban gilt: Wenn man nur oft genug mit ihnen betet, vielleicht werden sie ja dann gaaaaaanz friedlich. Kässemann geh du voran! Einen Versuch ist es ja immerhin wert. Was aber - und das ist die andere, sich sofort anschließende Frage - wenn die Käßmann-Strategie nicht greift? Hat sie dann einen Plan B? Hier ein Vorschlag: Wie wär´s mit einem Übertritt zur Religion des Friedens? Der Name ist doch Programm, oder? Aber Vorsicht: das ist eine Einbahnstraße, aus der es kein Zurück mehr gibt. Und wer weiß, ob die Taliban überhaupt eine Maulheldin wie K. bei sich haben wollen. Wenn nein, spräche das ja immerhin für die Taliban.