2015/01/29

Jobs für IS-Heimkehrer in Schweden

Die schwedischen Eliten machen sich Gedanken darüber, wie sie "ihren" IS-Heimkehrern nach all den Strapazen und "Heldentaten" fern der Heimat die Rückkehr versüßen könnten. Ein Soldat der schwedischen Armee, der am Hindukusch die Freiheit u.a. Deutschlands verteidigt hat, schreibt dazu:
"I read that Mona Sahlin together with other Swedish political leaders are anxious to take care of Swedish IS-warriors coming home from being involved in Syria, with specially designed programs for work and other issues that would make them function well in our society."
Mona Sahlin ist die ehemalige Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, die immer schon Vorreiter bei der Integration Schwedens in ein neues Zeitalter war.

Dabei ist alles so gut gemeint. Ein Job für die ehemaligen IS-Recken, ein paar Sozialarbeiter, eine verständnisvolle Gemeinschaft, die ihre verlorenen Schafe mit offenen Armen aufnimmt - und schon werden aus Terrorsympathisanten die friedlichsten Zeitgenossen. So einfach kann die Welt sein. Wenn man nur will.
Warum sind wir da bloß nicht früher darauf gekommen?


2015/01/28

Wenn Wissenschaft irrt - Vorhersagen

Diese Woche war es wieder mal so weit: Eine Prognose, basierend auf wissenschaftlichen Modellen, lag meilenweit daneben. Der historische Blizzard Juno, der New York unter sich begraben sollte, ist ausgeblieben. Dabei war der Vorhersagehorizont sehr knapp, wie bei einer Wettervorhersage üblich. Laut SPON wurden bis zu 90 cm Neuschnee erwartet. Tausende Flüge wurden gestrichen, die New Yorker U-Bahn erstmals in ihrer Geschichte wegen Schnees eingestellt.

Doch es gibt keinen Grund zur Häme. Der Schneesturm kam tatsächlich, nur eben nicht ganz so dramatisch wie erwartet. Das liegt nun mal in der Vorhersage komplexer Phänomene. Das Wetter ist ein solches, und jede Prognose, die über fünf Tage hinaus geht, ist so sicher wie das Werfen einer Münze. Daran ändern auch die besten Computermodelle nichts.

Nun ging es in diesem Fall um einen deutlich kürzeren Zeitraum. Und trotzdem stimmte die Sache nicht. Jedenfalls nicht ganz. Dabei sollten wir uns vor Augen halten, dass selbst eine Prognose mit 90% iger Sicherheit immer noch keine 100% ige Gewissheit verheißt. Denn zu 10% trifft die Prognose eben nicht zu. Und über Einzelereignisse macht die Statistik streng genommen keine Aussagen.

Aber was bedeutet es, wenn ein Ereignis (wie etwa ein Schneesturm) mit 90% iger Wahrscheinlichkeit eintritt? Intuitiv würde man meinen, dass dieses Ereignis in 90 von 100 gleichgelagerten Fällen eintreten wird. Doch streng genommen gilt das nicht. Stellen wir uns dazu die Wetterkonstellation von Juno in 100 facher Ausführung vor. Also 100 mal exakt dieselbe Wetterlage wie zur Zeit von Junos Prognose. Dann würde der Normalverbraucher schlussfolgern, dass in 90 der 100 Szenarien alles genauso kommt, wie vorhergesagt.

Was aber, wenn "es" dann doch nur in, sagen wir, 78 Fällen so kommt. Müssen wir dann, sozusagen retrospektiv, die Wahrscheinlichkeit für Juno von 90 auf 78% reduzieren? Nein, müssen wir nicht. Stellen wir uns vor, eine andere Forschergruppe hätte sich ebenfalls dieselben 100 Szenarien vorgenommen und herausgefunden, dass die Vorhersage in 93 Fällen richtig war. Also doch eher 93%?

Streng genommen reicht es nicht aus, nur 100 identische Fälle zu betrachten. Um eine exakte Wahrscheinlichkeit zu erhalten, müssen wir eine Vielzahl dieser 100 identischen Fälle unter die Lupe nehmen. Nehmen wir der Einfachheit halber an, wir hätten in unserem irdischen Labor N Boxen aufgebaut, die jeweils 100 identische Juno-Szenarien enthalten. Die positiven Ergebnisse aus den Boxen sind dann wie folgt:

Box 1                 78
Box 2                 93
Box 3                 84
....
Box N                 91

Wenn wir dann den Mittelwert aus diesen N positiven Resultaten bilden, erhalten wir die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines bestimmten Ereignisses (z. B. Blizzard mit 90 cm Neuschnee in New York). Und wenn dieser Mittelwert 90 beträgt, dann haben wir es mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% zu tun.

Wenn also ein als fast sicher vorhergesagtes Ereignis ausgeblieben ist, dann bedeutet das nicht notwendigerweise, dass das entsprechende wissenschaftliche Modell Unfug ist. Vielmehr sollten wir unsere Erwartungen an das anpassen, was Wahrscheinlichkeiten leisten können. Und genau das ist wohl der schwierigste Teil im Umgang mit Wahrscheinlichkeiten.





2015/01/19

Ein Sozialvergleich - Zusatzinfo

Mein letztes Posting zum Thema Sozialsysteme in Belgien und Österreich verdient noch einen kleinen Zusatz, den ich einem Leserhinweis verdanke.

Man stelle sich Folgendes vor: Eine Internetseite mit dem Bild eines lachenden Rentners. Daneben steht folgender Text: Wenn die Rente nicht reicht.

Skurriler geht es kaum. Und wenn der Leser jetzt meint, so etwas gäbe es nur in der Satire, so sei ihm (oder ihr) gesagt: Das ist durchaus ernst gemeint. Schauen Sie mal hier. Das ist der Webseite der Deutschen Rentenversicherung. Wer solche Medienberater hat, den haut nichts mehr um.

Aber es geht noch besser. Auf dieser Internetseite geht es um die Grundsicherung für deutsche Rentner, die dann greifen soll, wenn jemand mit seiner "schmalen Rente" nicht zurecht kommt. Einen Anspruch auf Grundsicherung prüfen lassen kann jeder, dessen monatliches Einkommen im Schnitt unter 758 Euro liegt.

Das liegt nochmal deutlich unter den gut 800 Euro, die man in Belgien für Nichtstun (schon vor der Rente) kriegt.


2015/01/17

Ein Sozialvergleich

In Belgien bekommt jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet und keine Einkünfte hat, Sozialhilfe. Und zwar zeitlich unbegrenzt. Die Höhe des Sozialhilfesatzes beträgt für Alleinstehende 801,34 EUR.

Zum Vergleich: In Österreich beträgt der Ausgleichszulagenrichtsatz für alleinstehende Pensionisten 872,31 EUR. Der Begriff Ausgleichszulagenrichtsatz bedeutet folgendes: Wer nach einem arbeitsreichen Leben weniger Pension als den genannten Betrag bekommt, hat Anspruch auf eine Ausgleichszulage. Der Richtsatz firmiert somit gleichsam als eine Art "Grundeinkommen" für Pensionsbezieher.

Österreich und Belgien sind von ihrer Wirtschaftsleistung her durchaus vergleichbare Länder. Es ist also nicht so, dass man ein hochentwickeltes Land mit einem weniger entwickelten vergleichen würde. Siehe hier.

Mit anderen Worten: Jemand, der in Österreich sein ganzes Leben unter schwierigen Bedingungen gearbeitet hat, bekommt um 71 EUR mehr im Monat als jemand, der in Belgien die Schule ohne Abschluss verlassen hat und ohne Job dasteht. Wenn wir weiters eine 40-jährige Arbeitstätigkeit unterstellen, so schlägt jedes Arbeitsjahr mit etwas weniger als 2 Euro monatlich zu Buche. Ich erspare es mir, diesen Betrag den geleisteten Arbeitsstunden gegenüber zu stellen.

Es bleibt dem Leser überlassen, zu entscheiden, wer von beiden besser dasteht.

2015/01/08

Durch nichts zu rechtfertigen...

Auf der Achse des Guten habe ich den Text einer Erklärung des deutschen Bundesinnenministers zur gestrigen Mordorgie in Paris gefunden. In perfekt durchgestyltem Politsprech heißt es darin unter anderem:

Der schreckliche Anschlag ist durch nichts zu rechtfertigen. 

Irgendwie kommt mir vor, ich hätte solche oder ähnliche Formulierungen schon mal bei anderer Gelegenheit und aus dem Mund anderer Politiker gehört. Aber vielleicht täuscht mich ja mein Gedächtnis. Die Bluttat ist also "durch nichts zu rechtfertigen". Klingt plausibel, lässt aber die Möglichkeit offen, dass es andere Anschläge geben könnte, die durch was auch immer gerechtfertigt werden könnten.

Es wäre nun interessant zu wissen, in welchen Fällen ein Anschlag, bei dem etliche Menschen zu Tode kommen, zu rechtfertigen sei.

2015/01/02

Energie sparen für Dummies (4)

Kürzlich berichtete die Wirtschaftswoche über Bemühungen, die Energieeffizienz in Deutschland zu steigern. Die Wärmedämmung von Häusern ist hierbei ein Dauerbrenner. Angeblich lassen sich so viele Millionen Megawattstunden (MWh) an Energie einsparen.

Energie zu sparen ist, ich wiederhole mich, eine feine Sache. Allerdings sollte man bei diesem Thema das Oberstübchen nicht ganz ausschalten, selbst dann nicht, wenn es um die vermeintliche Rettung des Planeten geht. Aber leider ist gerade das bei diesem Thema oft, allzu oft der Fall. Da wird permanent das hohe Lied des Dämmens gesungen, ohne dass Sinn und Verstand zum Zug kämen.

Besonders bemerkenswert ist folgende Passage aus dem Artikel:
In den vergangenen Jahren wurden pro Jahr nur noch 0,8 Prozent der Wohngebäude saniert. Es würde also 125 Jahre dauern, den gesamten Gebäudebestand auf den modernsten Stand zu bringen.
Rein mathematisch gesehen, ist diese Aussage richtig. Allerdings wird hierbei unterstellt, dass wir gleichsam am Nullpunkt stehen, also kein einziges Haus dem modernsten Stand der Technik entspricht.  Dann, und nur dann würde es genau 125 Jahre dauern, bis alle Gebäude saniert wären. Das ist natürlich Quatsch. Der Autor selbst sagt ja (im ersten Satz), dass in den vergangenen Jahren (nur noch) 0,8 % der Wohngebäude saniert worden seien. Also gibt es bereits einen Bestand an sanierten Häusern. Ebenso entsprechen Neubauten dem Stand der Technik. Der tatsächliche Sanierungsbedarf ist also mit Sicherheit deutlich kleiner als 100 %. Von 125 Jahren kann also beim besten Willen keine Rede sein. Wieviel Prozent der Bausubstanz sanierungsfähig wären, sagt der Autor nicht. Gerade das wäre aber interessant zu wissen, und vor allem auch wie hoch das Einsparpotenzial ist.

Es ist unbestritten, dass energetisch gesehen, die Gebäudedämmung zu einer Verringerung des Verbrauchs führt. Allerdings nur bei zu einem gewissen Punkt. Denn ein Gebäude, das keine Luftzirkulation zulässt, wird sozusagen "ersticken". Man muss dann eine Ventilation (mit Wärmerückgewinnung) einbauen, damit das Haus (oder die Wohnung) mit Frischluft versorgt wird. Nun, die Ventilation benötigt eine Pumpe, die ihrerseits wieder mit Strom betrieben wird. Mit anderen Worten: Ein Teil dessen, was an Heizenergie gespart wird, geht durch den Betrieb der Ventilation verloren. Auch die viel gepriesene Wärmerückgewinnung ist, nüchtern betrachtet, kaum mehr als der Tropfen auf seinem heißen Stein. In einer kalten Winternacht kann es in Mitteleuropa schon  mal auf minus 20 Grad runter gehen. Die von der Lüftung angesagte Außenluft wird im Wärmetauscher von der warmen Innenluft angewärmt. Unterstellen wir, dass der Wärmeaustausch zu 100 % effizient ist, was in der Praxis nie der Fall ist. Dann wird bei einer Innentemperatur von 20 Grad die eingesogene Luft auf Null Grad erwärmt, bevor sie in die Wohnung strömt.

Dazu kommt ein Effekt, den ich aus eigener Erfahrung kenne. In extrem gut gedämmten Häusern ist im Winter die Luft sehr trocken. Der Grund: Die kalte Außenluft hat nur eine sehr kleine absolute Luftfeuchtigkeit. Sobald diese Umgebungsluft durch die Ventilation ins Innere strömt, erwärmt sie sich (man will ja nicht bei Temperaturen um null Grad in der Wohnung sitzen) und die relative  Luftfeuchtigkeit sinkt. Und zwar mitunter auf Werte, die nicht der Gesundheit zuträglich sind (unter 10%). Außerdem ist das dem subjektiven Raumklima abträglich.

Um dem abzuhelfen, benötigt man einen Luftbefeuchter, der natürlich auch Energie frisst. Je nach Größe des Hauses und der gewünschten Stärke der Luftzirkulation, kann man den extra Energieverbrauch zu etwa 400 kWh (als untere Grenze) abschätzen. Wenn in mehr als einem Raum die Luft befeuchtet werden muss, dann ist der zusätzliche Stromverbrauch entsprechend höher anzusetzen.

Interessant ist es, diesen Extraverbrauch, der vor allem durch extrem gut isolierende Fenster verursacht wird, einer anderen Art von Stromfressern gegenüber zu stellen: dem Standby-Betrieb von Elektrogeräten. Folgt man der Darstellung auf der Webseite Energiesparen im Haushalt, so können sich die stillen Stromfresser zu einer Gesamtleistung von bis zu 68 Watt aufaddieren. Dem würde ein Jahresverbrauch von knapp 600 kWh entsprechen.

Mit anderen Worten: Was man durch die Eliminierung des Standby-Betriebs auf der einen Seite einspart, verliert man auf der anderen durch Maßnahmen, die durch Wärmedämmung und gut isolierende Fenster erst notwendig werden.