Seit Monaten ist es unübersehbar: Es tut sich etwas in der arabischen Welt. Frühlingsgefühle überall, bis in den Herbst hinein (und wer weiß wie lange noch), garniert mit gelegentlichen Gewaltorgien (auch gegen Ungläubige, aber nicht nur). Macht aber nix. Wir im Westen sind stolz darauf, dass die Generation Facebook endlich das Szepter in die Hand nimmt und den energiepolitisch sensibelsten Teil unseres Planeten erfolgreich destabilisiert.
Bei so viel Aufbruchsstimmung kann man in unserem Teil der Welt jedoch nicht zurückstehen. Es sähe ja so aus, als hätte nur die arabische Jugend (mit oder ohne Vollbart) Feuer in der Seele, während wir uns vor dem Fernseher räkeln. Das kann so nicht bleiben, mögen sich einige Vollzeitaktivisten gedacht haben und suchten sich ein passendes Thema, um auch mal in den Medien präsent zu sein. Occupy Wall Street wurde daraus.
Dass es immer ein paar Leute gibt, die gegen irgendetwas sind, ist nicht weiter erstaunlich. Entscheidend sind vor allem zwei Dinge: erstens wie sich die Protestler verhalten, und zweitens wie das System mit den Protesten umgeht. Dieses Wie ist irgendwo auf einer Skala zwischen gewaltsam und gewaltlos angesiedelt.
Nun ist die westlich-demokratische Art mit Protesten umzugehen, relativ handzahm verglichen mit dem, was man üblicherweise aus dem Nahen Osten zu hören bekommt. Die politische Klasse hat eben Angst, dass die Reaktion der Sicherheitskräfte zu drastisch ausfallen könnte. Es ist aus ihrer Sicht eben leichter verschmerzbar, wenn drei Menschen in einer Athener Bankfiliale durch das Werk der Chaoten zu Tode kommen, als wenn drei gewaltsame Demonstranten im Straßenkampf ihr Leben verlören. Gott behüte! Die Medien würden sich auf die Behörden und die verantwortlichen Politiker einschießen. Der zuständige Minister müsste zurücktreten und einige Beamte würden vom Dienst suspendiert. Wenn man sich die Verletztenzahlen bei derartigen Zusammenstößen ansieht, dann ist (zumindest in Deutschland) üblicherweise die Zahl der Verletzten auf Seiten der Polizei stets deutlich höher als diejenige auf Seiten der Demonstranten. Hieraus lassen sich Rückschlüsse auf die Vorgehensweise der jeweiligen Seite ziehen.
Abgesehen von der schlechten Presse kann man sich aber auch andere Gründe für das zurückhaltende Verhalten der Polizei vorstellen. Schließlich könnten sich auf Seiten der Protestler eine Menge politischer Talente befinden, die man doch nicht so einfach verheizen sollte. Es soll ja auch Streetfighter gegeben haben, deren Marsch durch die Institutionen im Ministeramt endete. Auf solche Hoffnungsträger will man doch nicht verzichten, oder?
Doch zurück zu OWS. Nachdem die Medien zunehmend über deren Aktivitäten und Anliegen berichteten, wurde es unausweichlich, dass auch die Politik Stellung beziehen musste. Außerdem begann sich die Bewegung - dank Facebook (?) und Medien - allmählich auf andere Länder auszubreiten. Und da die Medien auf OWS und deren friedliche Demonstrationspraxis überwiegend positiv reagierten, galt es die bestehende Stimmung (im Volk oder doch eher in den Medien?) eilig aufzunehmen. Wer zu spät kommt, den bestraft.... Man kennt das.
Und genau hier trat ein Paradoxon zu Tage, dass einigen Wohlmeinenden entgangen sein dürfte. Nicht nur, dass sich Politiker mit Forderungen solidarisierten, die ihrem eigenen Wirken entgegenstanden. Vielmehr beweist es ein gehöriges Maß an Chuzpe, wenn sich Vertreter der politischen Klasse, deren Agenda aus Schulden machen, Schulden machen und nochmals Schulden machen bestand, nun gegen jene wenden, die ihnen beim Schulden machen am treuesten zur Seite standen, nämlich die Banken. So kommt zur Unfähigkeit, die selbst verantwortete Krise zu meistern, auch noch die Dreistigkeit, anderen den Schwarzen Peter dafür zuzuschieben. Und diese Leute wundern sich darüber, dass ihre Glaubwürdigkeitswerte stets am unteren Ende der Skala angesiedelt sind?
Gewiss, die Banken tragen auch ein gehöriges Maß an Verantwortung für den gegenwärtigen Schlamassel, und es wäre, aus meiner bescheidenen Sicht, nur gerecht, wenn man die eine oder andere einfach gegen die Wand fahren ließe (andere Betriebe können auch pleite gehen). Aber genau hier klinken sich wieder die Politiker ein, die unablässig daran arbeiten, gerade das zu verhindern. Oder ist die Bankenschelte einfach nur der Preis für ihren selbstlosen Einsatz?
Auf den arabischen Frühling folgt der europäische Herbst. Bald wird es Winter. Mal sehen, was dann kommt.
2011/10/17
2011/10/13
Nomen est omen
... sagten die alten Römer und meinten, der Name sage etwas über seinen Träger aus. Und tatsächlich, lateinische (Bei)Namen wie Tacitus (der Schweigsame), Cicero (Kichererbse) und Africanus vermitteln spezifische Informationen über die Genannten.
Doch die Verbindung zwischen Namen und Personen endete nicht mit dem Untergang des römischen Reiches. Bis in unsere Tage enthalten Namen oft Bedeutsames über den Ursprung oder das soziale Milieu von Menschen, oder auch über ihren ideologischen Hintergrund. Gab es schon mal einen Papst mit Namen Ali oder Mohammed? Na also! Bei Papparazzi sieht das hingegen schon ganz anders aus.
Auch wenn im Zeitalter der Migration und ihres ominösen Hintergrundes diese Abgrenzungen langsam zu verschwinden scheinen, so ist doch klar, dass jemand der, sagen wir, Ustinow heißt, seine hauptsächlichen Vorfahren nicht in Oberbayern haben dürfte. Ähnlich verhält es sich mit Namen wie Rodriguez, Yamamoto und Schicklgruber. Letzerer dürfte auf einen österreichischen Ursprung verweisen.
Was jedoch bislang nur der eigenen aufmerksamen Beobachtung aufgefallen war, nämlich dass Nomen tatsächlich etwas mit Omen zu tun haben kann, ist nunmehr auf wissenschaftliche Weise untermauert. Schwedische Forscher haben in emsiger Kleinarbeit herausgefunden, dass Namen, die auf -y enden auf einen bestimmten sozioökonomischen Status verweisen. Ja mehr als das. Namen wie Benny, Conny oder Ronny sind auch in Hinblick auf Kriminalitätsrate überrepräsentiert.
Also mal ehrlich: Würden Sie jemandem, der Ronny heißt, einen Gebrauchtwagen abkaufen? Na eben! Da schwingt doch schon der mafiöse Hintergrund mit. Oder etwa nicht?
Die alles entscheidende Frage ist jedoch folgende: Macht der Name die Träger zu dem, was sie sind? Oder ist es vielmehr so, dass gewisse Namen in bestimmten Milieus einfach häufiger anzutreffen sind?
Nachdem ich nicht zu jenen Leuten gehöre, die meinen, bei der Namensgebung würde quasi ein gewisses Karma auf den jungen Erdenbürger übertragen, neige ich zu letzterer Auffassung. In bestimmten sozialen Milieus sind gewisse Namen einfach "normal", während sie in anderen so gut wie nicht vorkommen. Oder könnten Sie sich vorstellen, dass einen Familie mit afghanischem Mihigru ihren Sohn Florian nennen wird? Umgekehrt habe ich noch nie gehört, tiefgläubige Christen ihren Stammhalter Mehmet nannten. Andererseits, so meine weitere These, üben diese sozialen Milieus einen gewissen Einfluss auf den weiteren Lebensweg eines Kindes aus. Wenn also jemand in eine zünftige Verbrecherfamilie hineingeboren wird, dann sind seine Chancen, eines Tages im Knast zu landen, eben größer als die von jemandem, der einer ehrwürdigen Bankiersfamilie entstammt. Wobei natürlich zu klären wäre, wie ehrwürdig Bankiersfamilien... Doch das ist eine andere Frage.
Doch die Verbindung zwischen Namen und Personen endete nicht mit dem Untergang des römischen Reiches. Bis in unsere Tage enthalten Namen oft Bedeutsames über den Ursprung oder das soziale Milieu von Menschen, oder auch über ihren ideologischen Hintergrund. Gab es schon mal einen Papst mit Namen Ali oder Mohammed? Na also! Bei Papparazzi sieht das hingegen schon ganz anders aus.
Auch wenn im Zeitalter der Migration und ihres ominösen Hintergrundes diese Abgrenzungen langsam zu verschwinden scheinen, so ist doch klar, dass jemand der, sagen wir, Ustinow heißt, seine hauptsächlichen Vorfahren nicht in Oberbayern haben dürfte. Ähnlich verhält es sich mit Namen wie Rodriguez, Yamamoto und Schicklgruber. Letzerer dürfte auf einen österreichischen Ursprung verweisen.
Was jedoch bislang nur der eigenen aufmerksamen Beobachtung aufgefallen war, nämlich dass Nomen tatsächlich etwas mit Omen zu tun haben kann, ist nunmehr auf wissenschaftliche Weise untermauert. Schwedische Forscher haben in emsiger Kleinarbeit herausgefunden, dass Namen, die auf -y enden auf einen bestimmten sozioökonomischen Status verweisen. Ja mehr als das. Namen wie Benny, Conny oder Ronny sind auch in Hinblick auf Kriminalitätsrate überrepräsentiert.
Also mal ehrlich: Würden Sie jemandem, der Ronny heißt, einen Gebrauchtwagen abkaufen? Na eben! Da schwingt doch schon der mafiöse Hintergrund mit. Oder etwa nicht?
Die alles entscheidende Frage ist jedoch folgende: Macht der Name die Träger zu dem, was sie sind? Oder ist es vielmehr so, dass gewisse Namen in bestimmten Milieus einfach häufiger anzutreffen sind?
Nachdem ich nicht zu jenen Leuten gehöre, die meinen, bei der Namensgebung würde quasi ein gewisses Karma auf den jungen Erdenbürger übertragen, neige ich zu letzterer Auffassung. In bestimmten sozialen Milieus sind gewisse Namen einfach "normal", während sie in anderen so gut wie nicht vorkommen. Oder könnten Sie sich vorstellen, dass einen Familie mit afghanischem Mihigru ihren Sohn Florian nennen wird? Umgekehrt habe ich noch nie gehört, tiefgläubige Christen ihren Stammhalter Mehmet nannten. Andererseits, so meine weitere These, üben diese sozialen Milieus einen gewissen Einfluss auf den weiteren Lebensweg eines Kindes aus. Wenn also jemand in eine zünftige Verbrecherfamilie hineingeboren wird, dann sind seine Chancen, eines Tages im Knast zu landen, eben größer als die von jemandem, der einer ehrwürdigen Bankiersfamilie entstammt. Wobei natürlich zu klären wäre, wie ehrwürdig Bankiersfamilien... Doch das ist eine andere Frage.
2011/10/09
Der arabische Frühling
... wird langsam heißer. Darauf deuten jedenfalls Schlagzeilen wie diese
hin, die sich - langsam aber sicher - allmählich häufen. Die Überschrift suggeriert, wie sich das politisch korrekt gehört, ein unbotmäßiges Verhalten der ägyptischen Christen. Wer auch sonst könnte sich daneben benehmen, wenn nicht die aufsässige christliche Minderheit, die sich einer deutlichen Mehrheit von Anhängern der Religion des Friedens gegenüber sieht.
Mal sehen, was die Generation Facebook in Ägypten so zustande bringt. Die bisherige Bilanz ist jedenfalls nicht gerade berauschend. Und das Beste ist bestimmt noch zu erwarten.
Vielleicht werden wir uns schon bald wieder nach Mubarak zurücksehnen. Aber dieses Kapitel ist wohl endgültig vorbei. Stimmt: Mubarak war ein schlimmer Diktator. Und jetzt herrscht bekanntlich Demokratie am Nil. Vielleicht ist es ja auch nur eine gelenkte Demokratie. Fragt sich nur, wer diese Demokratie lenken wird. Und vor allem, wohin.
hin, die sich - langsam aber sicher - allmählich häufen. Die Überschrift suggeriert, wie sich das politisch korrekt gehört, ein unbotmäßiges Verhalten der ägyptischen Christen. Wer auch sonst könnte sich daneben benehmen, wenn nicht die aufsässige christliche Minderheit, die sich einer deutlichen Mehrheit von Anhängern der Religion des Friedens gegenüber sieht.
Mal sehen, was die Generation Facebook in Ägypten so zustande bringt. Die bisherige Bilanz ist jedenfalls nicht gerade berauschend. Und das Beste ist bestimmt noch zu erwarten.
Vielleicht werden wir uns schon bald wieder nach Mubarak zurücksehnen. Aber dieses Kapitel ist wohl endgültig vorbei. Stimmt: Mubarak war ein schlimmer Diktator. Und jetzt herrscht bekanntlich Demokratie am Nil. Vielleicht ist es ja auch nur eine gelenkte Demokratie. Fragt sich nur, wer diese Demokratie lenken wird. Und vor allem, wohin.
2011/10/01
Moderate Taliban
Die Hoffnungen des Westens oder vielmehr jener Vertreter der chattering classes, die für sich in Anspruch nehmen, die Werte des Westens zu vertreten, ruhen seit geraumer Zeit auf den sogenannten moderaten Taliban. Was das sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Jedenfalls müssen diese Leute so moderat sein, dass man schon seit etlichen Jahren von Verhandlungen mit ihnen spricht, ohne jemals greifbare Resultate zu bekommen außer: Selbstmordattentäter, Selbstmordattentäter und nochmals Selbstmordattentäter. Gut, gelegentlich ist auch eine Sprengfalle dabei. Aber das macht die Sache auch nicht besser.
Einer der diese Leute eigentlich besser kennen muss als all die hochgelehrten westlichen Diplomaten, hat jetzt immerhin die Nase voll: Präsident Karsai will nicht mehr mit den Taliban sprechen. So schreibt jedenfalls das Handelsblatt.
Da werden die moderaten Taliban aber ganz böse werden, wenn sie keine getarnten Selbstmordbomber mehr zu Gesprächsrunden schicken dürfen. Zu dumm aber auch. Man sollte doch immer auf die gutmenschlichen Intellektuellen des Westens hören und nie die Hoffnung auf eine Gesprächslösung aufgeben.
Schade dass Churchill seinerzeit diese Gesprächsmasche noch nicht heraus hatte. Die Geschichte hätte gewiss einen anderen Verlauf genommen.
Einer der diese Leute eigentlich besser kennen muss als all die hochgelehrten westlichen Diplomaten, hat jetzt immerhin die Nase voll: Präsident Karsai will nicht mehr mit den Taliban sprechen. So schreibt jedenfalls das Handelsblatt.
Da werden die moderaten Taliban aber ganz böse werden, wenn sie keine getarnten Selbstmordbomber mehr zu Gesprächsrunden schicken dürfen. Zu dumm aber auch. Man sollte doch immer auf die gutmenschlichen Intellektuellen des Westens hören und nie die Hoffnung auf eine Gesprächslösung aufgeben.
Schade dass Churchill seinerzeit diese Gesprächsmasche noch nicht heraus hatte. Die Geschichte hätte gewiss einen anderen Verlauf genommen.
2011/09/29
Von Schweden lernen heißt...
... SICH integrieren lernen.
Ok, es ist noch nicht alles perfekt im Volksheim. Noch hapert es ein wenig mit den Sprachkenntnissen eines Durchschnittschweden in so relevanten Idiomen wie Somalisch, Arabisch, den afghanischen und anderen kulturbereichernden Dialekten. Aber man gibt sich Mühe.
Und so tummeln sich Scharen von Dolmetschern in den Räumlichkeiten der Arbeitsvermittlung. Weil es ja sonst keine Möglichkeiten gibt, mit den arbeitslosen Somalis und anderen Neuschweden zu kommunizieren.
Was natürlich die Frage aufwirft, wie vermittelbar diese Leute überhaupt sind, wenn sie weder der Landessprache noch des Englischen ausreichend mächtig sind. Könnte das einer der Gründe sein, dass deutlich mehr als 50% aller aufgenommenen Flüchtlinge auch nach neun Jahren im Lande immer noch ohne Beschäftigung sind, wie eine Untersuchung kürzlich zu Tage gefördert hat?
Aber wie gesagt: Es kann immer noch besser werden. Ich schlage vor, dass diesen Leuten auch am Arbeitsplatz ein Dolmetsch zur Seite gestellt wird. Auf Steuerzahlers Kosten. Versteht sich. Erst dann wird das klappen mit der Integration - der Schweden.
Ok, es ist noch nicht alles perfekt im Volksheim. Noch hapert es ein wenig mit den Sprachkenntnissen eines Durchschnittschweden in so relevanten Idiomen wie Somalisch, Arabisch, den afghanischen und anderen kulturbereichernden Dialekten. Aber man gibt sich Mühe.
Und so tummeln sich Scharen von Dolmetschern in den Räumlichkeiten der Arbeitsvermittlung. Weil es ja sonst keine Möglichkeiten gibt, mit den arbeitslosen Somalis und anderen Neuschweden zu kommunizieren.
Was natürlich die Frage aufwirft, wie vermittelbar diese Leute überhaupt sind, wenn sie weder der Landessprache noch des Englischen ausreichend mächtig sind. Könnte das einer der Gründe sein, dass deutlich mehr als 50% aller aufgenommenen Flüchtlinge auch nach neun Jahren im Lande immer noch ohne Beschäftigung sind, wie eine Untersuchung kürzlich zu Tage gefördert hat?
Aber wie gesagt: Es kann immer noch besser werden. Ich schlage vor, dass diesen Leuten auch am Arbeitsplatz ein Dolmetsch zur Seite gestellt wird. Auf Steuerzahlers Kosten. Versteht sich. Erst dann wird das klappen mit der Integration - der Schweden.
2011/09/02
Die Ostsee graben oder Was Menschen möglich ist
Wenn es nach den Grünen oder wenigstens nach grün angehauchten Seelen geht, dann ist der Mensch der größte Zerstörer der Natur, imstande das Angesicht unseres Planeten tiefgreifend zu verändern. Der Klimawandel dient im Allgemeinen als Beleg für diese zerstörerische Kraft. In dieser Frage ist bestimmt noch nicht das letzte Wort gesprochen. Mal sehen, welche Wendung diese Chimäre noch nehmen wird.
Gleichwohl ist es interessant, sich zu überlegen, welchen Aufwand man machen müsste, um gewisse spürbare Veränderungen in der Natur zu hinterlassen. Nehmen wir als Beispiel die Ostsee.
Die Ostsee ist ein Produkt der letzten Eiszeit und somit kein ursprüngliches Meer auf unserem Planeten. Sie ist auch, verglichen mit anderen Meeren, nicht besonders groß.
Überlegen wir uns, welchen menschlichen/technischen Aufwand es erfordern würde, die Ostsee mit den uns zur Verfügung stehenden technischen Mittel aus zu graben. Nehmen wir als Beispiel den leistungsstärksten Bagger, der im westdeutschen Braunkohletagebau Dienst tut: der Schaufelradbagger 288, der täglich 240 000 m3 bewegen kann. Wie lange würde er brauchen, um die gesamte Ostsee mit einem geschätzten Rauminhalt von 20 000 km3 auszuschaufeln?
Nun, die Tagesleistung von 240 000 m3 entspricht genau 0,00024 km3. Durch letzteren Wert müssen wir also das Volumen der Ostsee dividieren, um herauszufinden, wie viele Tage der Bagger mit seiner Arbeit beschäftigt ist. Es sind mehr als 83 Mio. Tage, was in Jahre umgerechnet einer Dauer von mehr als 228 000 Jahren entspricht. So lange wäre also ein Hochleistungsbagger beschäftigt, um die relativ kleine Ostsee aus der Erdkruste zu schürfen.
Gut, wir sind eine hochtechnisierte Gesellschaft und können uns den Einsatz mehrerer Grabegeräte leisten. Dennoch: zehn dieser Bagger benötigen immer noch fast 23 000 Jahre.
Der natürliche Entstehungsprozess der Ostsee verlief über ca. 12 000 Jahre. In unser Baggerszenario umgerechnet bedeutet das, dass wir 20 der besten Schaufelradbagger im Einsatz haben müssten, um die Ostsee in der gleichen Zeit wie die Natur in ihre heutige Form zu bringen.
Was wir hier dezent vernachlässigen, sind die volkswirtschaftlichen Kosten, die mit einem derartigen Aufwand verbunden sind. Immerhin hätten wir bereits in der Jungsteinzeit zu graben beginnen müssen, um in der Gegenwart fertig zu sein. Ganz abgesehen davon, dass die Steinzeitbewohner noch ein erhebliches Stück weit vom modernen Schaufelradbagger entfernt waren. Aber das nur am Rande. Dazu kämen noch logistische Probleme, der erforderliche Energieeinsatz etc.
Soviel zu den zerstörerischen Fähigkeiten der Spezies homo sapiens. Wir müssten uns ganz schön anstrengen, um ähnliche Veränderungen zustande zu bringen wie Mutter Natur, ganz gleich ob es um Erdbeben, Tsunamis, das Ausschürfen von Meeresbecken oder ähnliches geht. Ich fürchte, in Sachen Klimawandel sieht die Lage nicht anders aus.
Gleichwohl ist es interessant, sich zu überlegen, welchen Aufwand man machen müsste, um gewisse spürbare Veränderungen in der Natur zu hinterlassen. Nehmen wir als Beispiel die Ostsee.
Die Ostsee ist ein Produkt der letzten Eiszeit und somit kein ursprüngliches Meer auf unserem Planeten. Sie ist auch, verglichen mit anderen Meeren, nicht besonders groß.
Überlegen wir uns, welchen menschlichen/technischen Aufwand es erfordern würde, die Ostsee mit den uns zur Verfügung stehenden technischen Mittel aus zu graben. Nehmen wir als Beispiel den leistungsstärksten Bagger, der im westdeutschen Braunkohletagebau Dienst tut: der Schaufelradbagger 288, der täglich 240 000 m3 bewegen kann. Wie lange würde er brauchen, um die gesamte Ostsee mit einem geschätzten Rauminhalt von 20 000 km3 auszuschaufeln?
Nun, die Tagesleistung von 240 000 m3 entspricht genau 0,00024 km3. Durch letzteren Wert müssen wir also das Volumen der Ostsee dividieren, um herauszufinden, wie viele Tage der Bagger mit seiner Arbeit beschäftigt ist. Es sind mehr als 83 Mio. Tage, was in Jahre umgerechnet einer Dauer von mehr als 228 000 Jahren entspricht. So lange wäre also ein Hochleistungsbagger beschäftigt, um die relativ kleine Ostsee aus der Erdkruste zu schürfen.
Gut, wir sind eine hochtechnisierte Gesellschaft und können uns den Einsatz mehrerer Grabegeräte leisten. Dennoch: zehn dieser Bagger benötigen immer noch fast 23 000 Jahre.
Der natürliche Entstehungsprozess der Ostsee verlief über ca. 12 000 Jahre. In unser Baggerszenario umgerechnet bedeutet das, dass wir 20 der besten Schaufelradbagger im Einsatz haben müssten, um die Ostsee in der gleichen Zeit wie die Natur in ihre heutige Form zu bringen.
Was wir hier dezent vernachlässigen, sind die volkswirtschaftlichen Kosten, die mit einem derartigen Aufwand verbunden sind. Immerhin hätten wir bereits in der Jungsteinzeit zu graben beginnen müssen, um in der Gegenwart fertig zu sein. Ganz abgesehen davon, dass die Steinzeitbewohner noch ein erhebliches Stück weit vom modernen Schaufelradbagger entfernt waren. Aber das nur am Rande. Dazu kämen noch logistische Probleme, der erforderliche Energieeinsatz etc.
Soviel zu den zerstörerischen Fähigkeiten der Spezies homo sapiens. Wir müssten uns ganz schön anstrengen, um ähnliche Veränderungen zustande zu bringen wie Mutter Natur, ganz gleich ob es um Erdbeben, Tsunamis, das Ausschürfen von Meeresbecken oder ähnliches geht. Ich fürchte, in Sachen Klimawandel sieht die Lage nicht anders aus.
2011/09/01
Loyalitäten oder Arminius als Verräter
Die Geschichte ist bekannt: der Germane Arminius (später wurde daraus Hermann) lockte drei römische Legionen unter dem Kommando des Varus in einen Hinterhalt und rieb sie vollständig auf. So geschehen im Jahre 9 n. Chr.
Möglich war ihm dies aus folgenden Gründen:
Möglich war ihm dies aus folgenden Gründen:
- Arminius genoss das Vertrauen der Römer und kannte das römische Militärwesen wie seine sprichwörtliche Westentasche. So war er unter anderem Hilfstruppenkommandeur unter Tiberius und hatte Feldzugserfahrung.
- Er wusste um die Kampfstärke der Legionen, aber auch um deren Schwächen, wenn sie nicht ihre räumliche Wirkung entfalten konnten.
- Er war persönlich mit Varus bekannt und nutzte dieses Vertrauensverhältnis, um diesen in die Falle tappen zu lassen.
- Er gestaltete seinen Schlachtplan so, dass die Römer ihre militärischen Qualitäten nicht zur Wirkung bringen konnten.
Natürlich kann man sagen: Krieg ist Krieg, aber die Hinterhältigkeit, mit der Arminius zu Werke ging, ist doch erstaunlich. Denn mit seinem Stamm, den Cheruskern, pflegten die Römer freundschaftliche Kontakte, und ihre Mitglieder genossen erhebliche Privilegien. Und als Freund Roms zu gelten, war damals ein gewaltiges Privileg. Darüber hinaus ließen sich die Römer nicht lumpen, wenn es darum ging, ihre Verbündeten bei Laune zu halten.
Was auch immer seinen Sinneswandel ausgelöst haben mag: persönlicher Ehrgeiz, die Rivalität zu anderen, romfreundlichen Germanen wie Marbod, wir werden es nie wissen. Entscheidend ist jedoch, dass er, der Insider mit intimsten Kenntnissen der feindlichen Kriegsmaschinerie, plötzlich seine Vorliebe für den eigenen Stamm entdeckte. Daraus resultierte letztlich sein mörderischer Plan.
Es war nicht das erste und auch nicht das einzige Mal, dass der römischen Hausmacht derartiges widerfuhr. Auch andere "Verbündete" entdeckten irgendwann ihre Liebe zu den eigenen Stammesbrüdern und verzichteten auf ihre Privilegien. Das Imperium ging deswegen nicht unter, zumindest nicht gleich. Aber eine zentrale Schwäche des Systems war offenkundig geworden.
Es ist eben ein Risiko, wenn man Leuten, die der eigenen Kultur fernstehen, zu großes Vertrauen entgegen bringt. Wie sicher kann man sich der Loyalität von Menschen sein, die mit Privilegien und Sonderrechten gehätschelt werden, es sich dann aber doch "anders überlegen" und auf die gegnerische Seite wechseln?
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