2013/02/18

Akademisches und Politik

Es war irgendwann Mitte der 1980er Jahre. Ein Bekannter hatte sein Studium der Geschichte absolviert und trat in Wien eine Stelle als Lehrer an. Um überhaupt eine Stelle zu bekommen, musste er - nach altem österreichischem Brauch - ein Parteibuch vorweisen. Wien war und ist ein Bollwerk der Sozialdemokraten, und entsprechend musste das Parteibuch gefärbt sein.

Nun gab (und gibt) es genügend Leute, die der Formalität Genüge tun nach dem Motto: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing... Richtig aufgelehnt hat sich ja schließlich keiner.

Manche trällern das Liedchen ein bisschen lauter, und was dabei herauskommt, konnte man sogleich bei meinem Bekannten beobachten. Er, der akademisch ausgebildete Historiker, behauptete allen Ernstes - Zitat:

Das heilige römische Reich deutscher Nation hat es nie gegeben! 

Donnerwetter! Da war ich echt sprachlos. Dieser Satz ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Was Generationen von Geschichtskundigen als einen der Fixpunkte ihres Wissens betrachten, wird in einem einzigen Atemzug ausgelöscht.

Und ich frage mich bis heute, ob das Ganze mit seiner Mitgliedschaft beim BSA (Bund Sozialistischer Akademiker) zusammenhing. Was die wohl sonst noch für Weisheiten ausbrüten?

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