Vor einiger Zeit erzählte mir ein Bekannter folgende Geschichte: Während seiner gesamten Schulzeit habe er seine Mutter angeschwindelt. Immer wenn sie ihn beim Nachhause-Kommen fragte, ob er im Unterricht etwas "gekonnt" hätte, erfand er einfach etwas, um ihre Erwartungshaltung zu befriedigen. Deutsch, English oder Geographie hieß es dann, auch wenn er in Wahrheit den ganzen Tag nichts von sich gegeben hatte.
Das ging wohl über Jahre so. Ohne Probleme. Denn was immer er auch zum Besten gab, die Mutter konnte es ja sowieso nicht überprüfen. So kamen beide auf ihre Rechnung: Die Frau Mama konnte ihre Illusion eines engagierten Schülers pflegen, während er seine Ruhe hatte und sich keine bohrenden Fragen gefallen lassen musste.
So trivial diese Geschichte ist, so entbehrt sie doch nicht einer gewissen Tiefgründigkeit. Denn hier wurde die Wahrheit in kreativer Weise zurecht gebogen, um ein für beide Seiten befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Wahrscheinlich lebte die Mutter ja in der Illusion, ein guter Schüler müsse sich gleichsam jeden Tag aktiv in den Unterricht einbringen. Das ist natürlich Unsinn, wie jeder (ehemalige) Schüler aus Erfahrung weiß.
Warum ich diese Geschichte erzähle? Nun, sie fällt mir immer dann ein, wenn wieder mal ein "Skandal" durch den Mediendschungel rauscht. Und im Moment ist das der VW-Diesel-Skandal. Auch hier offenbart sich ein ähnliches Muster.
Auf der einen Seite die Politik mit ihrem Anspruch, die Menschen vor allen tatsächlichen und eingebildeten Gefahren zu schützen. Diese Politik erlässt Umweltgesetze, weil sie meint, damit dem Wählerwillen (was immer das auch sein soll) zu entsprechen. Und die Autobauer geben sich alle Mühe, den Erfordernissen gerecht zu werden, wobei man natürlich auch eine gewisse Kreativität walten lässt.
Es ist augenscheinlich, dass kleinere Autos weniger Benzin oder Diesel verbrauchen als größere. Wer mehr Masse bewegt, braucht auch entsprechend mehr Energie. So einfach ist Physik. Aber mit der Physik stehen Politiker nicht nur gelegentlich auf Kriegsfuß.
Nachdem deutsche Hersteller eher bei den größeren Typen zu verorten sind, haben ihre Autos tendenziell einen höheren Verbrauch als andere, nicht-deutsche Hersteller. Um die deutschen Produzenten vor dem Ansturm grünen Verbotsdenkens zu bewahren, wurden einfach neue "Konzepte" erfunden, um den Verkauf der beliebten SUVs und anderer Modelle nicht zu gefährden. Das Konzept des "Flottenverbrauchs" ist so ein Konzept. Darauf muss man erst mal kommen. Und schwups waren die deutschen Autobauer wieder im grünen Bereich. Und das obwohl sich faktisch nichts geändert hat.
Auch ich besaß bis vor zwei Jahren einen Golf TDI. Ich bin wirklich froh, dass ich das Ding letztes Jahr verkaufen konnte. Es war ein Klasseauto mit einem hervorragenden und sparsamen Motor. Durchschnittsverbrauch über alle Strecken etwa 5,5 Liter pro 100 km. Selbst gemessen.
Vor ein paar Jahren war ich einmal mit einem Mietauto in Österreich unterwegs, einem Nissan Juke. Das Ding hatte einen wesentlich schwächeren Motor als mein TDI, aber der Durchschnittsverbrauch war - höher. Auch selbst gemessen. Welches ist nun das bessere Auto? Mein ehemaliger TDI, der locker jeden Berg nahm oder der brustschwache Juke, den jede Steigung ins Schwitzen brachte und dabei noch mehr Sprit brauchte?
Aber zurück zum Thema. Die Motorentechnologie hat in den letzten Jahrzehnten in der Tat gewaltige Fortschritte gemacht. Verbrauchswerte sind spürbar zurückgegangen. Und Emissionen detto. Trotzdem muss die grüne Lobby nach wie vor ihr Horroszenario plakatieren. Es wird niemals so sein, dass sie sagt: Wir haben unser Ziel erreicht. Man braucht uns nicht mehr.
Und die Industrie, nicht nur im Autobereich, sichtbar bemüht, sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen, bläst jede Kleinigkeit zur weltrettenden Errungenschaft auf. Ich habe das in etlichen Meetings erlebt. Von da ist es nur mehr ein kleiner Schritt zur kreativen Software, die die Motorenleistung an die Erwartungshaltung der Weltretter anpasst.
Ja, VW hat gelogen. Aber die Frage ist: Hätte VW die Wahrheit überlebt? Man hat etliche Jahre in die Entwicklung eines neuen emissionsfreundlichen Motors investiert, nur um dann festzustellen, dass man die Ziele so nicht erreichen konnte. Hätte man noch ein paar Jahre weiterentwickeln sollen... Vielleicht. Gewiss ist der Erfindergeist der Ingenieure grenzenlos. Aber die Physik zieht ihre eigenen Grenzen.
Dennoch ist es unfair, jetzt nur auf VW einzuprügeln. Denn gerade bei grünen Themen wird oft gelogen, dass sich die Balken biegen: Man sollte sich stattdessen die Frage stellen, wie realistisch grüne Vorgaben überhaupt sein können. Oder glaubt wirklich jemand, dass Deutschland seinen CO2-Ausstoß bis 2050 um 80% reduzieren kann?
Den Entscheidungsträgern bleibt dann nur die Hoffnung, dass sie bis dahin entweder nicht mehr im Amt sind oder sich die Welt dann gerade mit anderen Problemen herumschlägt.
2015/10/10
2015/09/17
Italienischer Schinken
Kürzlich kaufte ich in einem Supermarkt in Schweden Schinken, italienischen Schinken. Er schmeckt wirklich besser als die einheimischen Produkte. Deshalb gebe ich dem italienischen den Vorzug.
Als ich auf das Rückenetikett blickte, war ich etwas perplex. Dort stand, das Fleisch stammte von Schweinen, die in Dänemark geschlachtet worden waren. Anschließend wurde es zur Verarbeitung nach Italien gekarrt. Und wieder etwas später kam es in dem Supermarkt in Schweden an.
Der Schinken wanderte also in den verschiedenen Phasen seiner Existenz erstmal mehr als 1000 km südwärts, ehe er zum Zwecke des Verzehrs 2000 km nordwärts verfrachtet wurde.
Komisch, dachte ich. Sind die Dänen nicht in der Lage Schinken herzustellen? OK, es war italienischer Schinken. Aber gibt es in Italien keine Schweine, die sich zu Schinken verarbeiten lassen?
Nun hat also dieses Lebensmittel gefühlte zehnmal mehr Weg zurückgelegt als nötig. Wie ist das möglich? Sind die Transportkosten so gering, dass es darauf nicht ankommt?
Da fällt mir ein: es gibt ja Agrarsubventionen! Richtig, damit sollte es möglich sein, die entsprechenden Mehrkosten einigermaßen, wenn nicht sogar weitgehend, zu kompensieren. Deshalb sei an dieser Stelle allen Steuerzahlern gedankt, die es mir mit ihren Beiträgen ermöglichen, den Tausendmeilenschinken zu vernünftigen Preisen einkaufen zu können.
Doch andererseits wird ja beim Herumkarren der Ladung von Dänemark nach Italien und wieder weiter nach Schweden eine ganze Menge CO2 freigesetzt und damit angeblich das Klima belastet. Ich dachte, der Ausstoß von CO2 sollte drastisch reduziert werden. Der kürzere Weg wäre deutlich klimaschonender, glaubt man der vorherrschenden Weltsicht.
Gar nicht so einfach, die Sache mit dem italienischen Schinken.
Als ich auf das Rückenetikett blickte, war ich etwas perplex. Dort stand, das Fleisch stammte von Schweinen, die in Dänemark geschlachtet worden waren. Anschließend wurde es zur Verarbeitung nach Italien gekarrt. Und wieder etwas später kam es in dem Supermarkt in Schweden an.
Der Schinken wanderte also in den verschiedenen Phasen seiner Existenz erstmal mehr als 1000 km südwärts, ehe er zum Zwecke des Verzehrs 2000 km nordwärts verfrachtet wurde.
Komisch, dachte ich. Sind die Dänen nicht in der Lage Schinken herzustellen? OK, es war italienischer Schinken. Aber gibt es in Italien keine Schweine, die sich zu Schinken verarbeiten lassen?
Nun hat also dieses Lebensmittel gefühlte zehnmal mehr Weg zurückgelegt als nötig. Wie ist das möglich? Sind die Transportkosten so gering, dass es darauf nicht ankommt?
Da fällt mir ein: es gibt ja Agrarsubventionen! Richtig, damit sollte es möglich sein, die entsprechenden Mehrkosten einigermaßen, wenn nicht sogar weitgehend, zu kompensieren. Deshalb sei an dieser Stelle allen Steuerzahlern gedankt, die es mir mit ihren Beiträgen ermöglichen, den Tausendmeilenschinken zu vernünftigen Preisen einkaufen zu können.
Doch andererseits wird ja beim Herumkarren der Ladung von Dänemark nach Italien und wieder weiter nach Schweden eine ganze Menge CO2 freigesetzt und damit angeblich das Klima belastet. Ich dachte, der Ausstoß von CO2 sollte drastisch reduziert werden. Der kürzere Weg wäre deutlich klimaschonender, glaubt man der vorherrschenden Weltsicht.
Gar nicht so einfach, die Sache mit dem italienischen Schinken.
2015/09/01
Österreich schmiert ab - in der Forschung
Kürzlich wurde das Shanghai-Ranking der weltbesten Universitäten (hier auch auf deutsch) veröffentlicht. Dabei traten einige für Österreich wenig schmeichelhafte Ergebnisse zu Tage.
Unter den 500 Top-Universitäten befinden sich im diesjährigen Ranking (2015) österreichische Einrichtungen auf folgenden Plätzen:
Uni Wien Rang 151-200
Med Uni Wien 201-300
Uni Innsbruck 201-300
Med Uni Graz 401-500
Uni Graz 401-500
TU Wien 401-500
Vor zehn Jahren, also 2005, waren die Platzierungen der österreichischen Unis wie folgt:
Uni Wien Rang 85
Uni Innsbruck 203-300
Uni Graz 301-400
TU Wien 301-400
Med Uni Graz 401-500
Med Uni Innsbruck 401-500
Eindrucksvoller kann man das "Absandeln" Österreichs in der Wissenschaft gar nicht beschreiben. Alle österreichischen Unis, die im Ranking von 2005 vertreten waren, haben zehn Jahre später deutlich schlechtere Ränge. Einzig die Med Uni Wien konnte einen Platz in den besten 500 ergattern, den sie vorher nicht hatte. Alle anderen verloren gegenüber den früheren Ergebnissen.
Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, genügt ein Blick auf vergleichbare Länder, um das wahre Ausmaß des alpenländischen Rückstands ermessen zu können. Hier ein paar Fakten aus dem 2015er Ranking:
Schweden 3 Unis in den Top 100
Schweiz 4 Unis in den Top 100
Belgien 2 Unis in den Top 100
Dänemark 2 Unis in den Top 100
Niederlande 4 Unis in den Top 100
Österreich vergleicht sich ja gerne mit Schweden. Unimaßig können wir denen allerdings nicht das Wasser reichen. Selbst das kleine Dänemark hängt die Alpenländler locker ab. Von der Schweiz zu reden verbietet sich fast von selbst. Das einzige, wo die Österreicher die Eidgenossen übertrumpfen, ist vermutlich der Sozialetat.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde in Österreich das Wissenschaftsministerium aufgelöst und seine Agenden in das Wirtschaftsministerium integriert. Dieser Schritt allein zeigt, welchen Stellenwert Forschung in diesem Land hat. Darüber kann auch das kürzlich öffentlich inszenierte Gezerre um den österreichischen Genetiker Josef Penninger nicht hinwegtäuschen. Damit sollte wohl der unbedarften Öffentlichkeit suggeriert werden, dass sich selbst (wissenschaftlich völlig unbedarfte) Politiker um das Wohl der österreichischen Foschungslandschaft zu kümmern wissen.
Das Shanghai-Ranking widerlegt solchen medial unterstützten Populismus eindrucksvoll. Bleibt nur noch die Frage, welche Partei in den vergangenen zehn Jahren für Wissenschaftspolitik zuständig war.
Unter den 500 Top-Universitäten befinden sich im diesjährigen Ranking (2015) österreichische Einrichtungen auf folgenden Plätzen:
Uni Wien Rang 151-200
Med Uni Wien 201-300
Uni Innsbruck 201-300
Med Uni Graz 401-500
Uni Graz 401-500
TU Wien 401-500
Vor zehn Jahren, also 2005, waren die Platzierungen der österreichischen Unis wie folgt:
Uni Wien Rang 85
Uni Innsbruck 203-300
Uni Graz 301-400
TU Wien 301-400
Med Uni Graz 401-500
Med Uni Innsbruck 401-500
Eindrucksvoller kann man das "Absandeln" Österreichs in der Wissenschaft gar nicht beschreiben. Alle österreichischen Unis, die im Ranking von 2005 vertreten waren, haben zehn Jahre später deutlich schlechtere Ränge. Einzig die Med Uni Wien konnte einen Platz in den besten 500 ergattern, den sie vorher nicht hatte. Alle anderen verloren gegenüber den früheren Ergebnissen.
Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, genügt ein Blick auf vergleichbare Länder, um das wahre Ausmaß des alpenländischen Rückstands ermessen zu können. Hier ein paar Fakten aus dem 2015er Ranking:
Schweden 3 Unis in den Top 100
Schweiz 4 Unis in den Top 100
Belgien 2 Unis in den Top 100
Dänemark 2 Unis in den Top 100
Niederlande 4 Unis in den Top 100
Österreich vergleicht sich ja gerne mit Schweden. Unimaßig können wir denen allerdings nicht das Wasser reichen. Selbst das kleine Dänemark hängt die Alpenländler locker ab. Von der Schweiz zu reden verbietet sich fast von selbst. Das einzige, wo die Österreicher die Eidgenossen übertrumpfen, ist vermutlich der Sozialetat.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde in Österreich das Wissenschaftsministerium aufgelöst und seine Agenden in das Wirtschaftsministerium integriert. Dieser Schritt allein zeigt, welchen Stellenwert Forschung in diesem Land hat. Darüber kann auch das kürzlich öffentlich inszenierte Gezerre um den österreichischen Genetiker Josef Penninger nicht hinwegtäuschen. Damit sollte wohl der unbedarften Öffentlichkeit suggeriert werden, dass sich selbst (wissenschaftlich völlig unbedarfte) Politiker um das Wohl der österreichischen Foschungslandschaft zu kümmern wissen.
Das Shanghai-Ranking widerlegt solchen medial unterstützten Populismus eindrucksvoll. Bleibt nur noch die Frage, welche Partei in den vergangenen zehn Jahren für Wissenschaftspolitik zuständig war.
2015/08/31
Zitat der Woche
"Mein Haus betreten Menschen, die mir nahestehen."
Thilo Sarrazin auf die Frage "Würden Sie Flüchtlinge bei sich aufnehmen?"
Mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen. Mehr dazu hier. Lesenswert.
Thilo Sarrazin auf die Frage "Würden Sie Flüchtlinge bei sich aufnehmen?"
Mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen. Mehr dazu hier. Lesenswert.
2015/07/20
Müssen die Griechen den Deutschen dankbar sein?
Auf Zettels Raum findet sich eine lesenswerte Betrachtung über Dankbarkeit, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland nach dem jüngst in letzter Minute abgewendeten Staatsbankrott des Balkanstaates. Der Autor jenes Postings meint, die Griechen hätten durchaus Grund, dem größten Nettozahler gegenüber dankbar zu sein dafür, dass wieder einmal das Portmonnaie aufgemacht und ein noch schlimmeres Szenario vermieden wird.
Doch die Griechen zeigen sich alles andere als dankbar. Warum ist das so?
Ich meine, die Sache lässt sich folgendermaßen erklären. Nehmen wir mal an, ein verheerendes Erdbeen hätte Griechenland heimgesucht. Hunderte, ja Tausende Todesopfer wäre zu beklagen. Deutschland hätte umfangreiche Rettungskräfte entsandt, um seinem europäischen Nachbarn in der Stunde größter Not beizustehen. Es versteht sich von selbst, dass die vom Schicksal geschundenen Griechen dankbar wären.
Jedoch in der aktuellen Situation stehen die Dinge anders. Ganz anders. Deutschland wird nicht als Retter in höchster Not wahrgenommen, auch wenn man das durchaus so sehen kann (und sollte). Im Gegenteil, viele (allzu viele?) Griechen sehen die Deutschen als Zuchtmeister, die nichts anders im Sinn haben, als die "Südländer" zu bevormunden und drangsalieren. Der wahre Grund für die selbstverschuldete griechische Misere wird hingegen allzu oft ausgeblendet, auch als politischem Kalkül. In dieser Sichtweise ist kein Platz für Dankbarkeit.
Und so wird man wohl vergeblich auf ein Zeichen der Dankbarkeit warten.
Doch die Griechen zeigen sich alles andere als dankbar. Warum ist das so?
Ich meine, die Sache lässt sich folgendermaßen erklären. Nehmen wir mal an, ein verheerendes Erdbeen hätte Griechenland heimgesucht. Hunderte, ja Tausende Todesopfer wäre zu beklagen. Deutschland hätte umfangreiche Rettungskräfte entsandt, um seinem europäischen Nachbarn in der Stunde größter Not beizustehen. Es versteht sich von selbst, dass die vom Schicksal geschundenen Griechen dankbar wären.
Jedoch in der aktuellen Situation stehen die Dinge anders. Ganz anders. Deutschland wird nicht als Retter in höchster Not wahrgenommen, auch wenn man das durchaus so sehen kann (und sollte). Im Gegenteil, viele (allzu viele?) Griechen sehen die Deutschen als Zuchtmeister, die nichts anders im Sinn haben, als die "Südländer" zu bevormunden und drangsalieren. Der wahre Grund für die selbstverschuldete griechische Misere wird hingegen allzu oft ausgeblendet, auch als politischem Kalkül. In dieser Sichtweise ist kein Platz für Dankbarkeit.
Und so wird man wohl vergeblich auf ein Zeichen der Dankbarkeit warten.
2015/05/13
Österreich in der Nussschale
So in etwa kann man sich den Österreichischen Skiverband (ÖSV) vorstellen. Da gibt es auf der einen Seite ein paar Leistungsträger, die sich abmühen, um Erfolge einzufahren. Auch unter Einsatz ihrer Gesundheit. Ist schon klar, sie machen das freiwillig. Niemand wird gezwungen, einen steilen Hang hinunterzufahren.
Auf der anderen Seite sitzt eine Funktionärskaste, die meint, sich die Erfolge der Rennläufer unter den Nagel reißen zu müssen. In Wahrheit machen sie das nur, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Denn ohne die erfolgreichen Athleten wären die Funktionäre das, was sie eigentlich sind - nichts. Denn eines ist klar: die Topathleten sind auch gut ohne das Funktionärswesen, das in Grunde genommen aus aufgeblasenen Wichtigtuern besteht, deren oberste Reihe sich am liebsten in den Medien sonnt. Die Funktionäre verdanken den Sportlern viel mehr als umgekehrt. Aber welcher Funktionär ist schon so ehrlich, sich das einzugestehen?
Dieses Dilemma wird im aktuellen Fall der Anna Fenninger offensichtlich. Hier die Toprennläuferin, der wir es (zusammen mit Marcel Hirscher) zu verdanken haben, dass Österreichs Bilanz bei der letzten Weltmeisterschaft nicht absolut vernichtend ausgefallen ist. Dort die sich selbst beweihräuchernde Funktionärs"elite", die nichts außer heiße Luft produziert.
Warum ich mit einem so sportlichen Thema befasse, obwohl das eigentlich nicht mein Schwerpunkt ist? Nun, weil diese Situation ein klarer Spiegel der österreichischen Verhältnisse ist. Auch hier gibt es, auf staatlicher Ebene, eine überbordende, sich selbst beweihräuchernde Funktionärskaste, überwiegend angesiedelt im Kammerunwesen, das sich aus Zwangsabgaben finanziert und einer demokratischen Kontrolle weitgehend entzogen ist. Auch hier wäre es an der Zeit, dass die Leistungsträger, also jene, die diese Funktionärskapazunder am Leben erhalten (müssen), endlich mal sagen, wo der Bartl den Most herholt.
Auf der anderen Seite sitzt eine Funktionärskaste, die meint, sich die Erfolge der Rennläufer unter den Nagel reißen zu müssen. In Wahrheit machen sie das nur, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Denn ohne die erfolgreichen Athleten wären die Funktionäre das, was sie eigentlich sind - nichts. Denn eines ist klar: die Topathleten sind auch gut ohne das Funktionärswesen, das in Grunde genommen aus aufgeblasenen Wichtigtuern besteht, deren oberste Reihe sich am liebsten in den Medien sonnt. Die Funktionäre verdanken den Sportlern viel mehr als umgekehrt. Aber welcher Funktionär ist schon so ehrlich, sich das einzugestehen?
Dieses Dilemma wird im aktuellen Fall der Anna Fenninger offensichtlich. Hier die Toprennläuferin, der wir es (zusammen mit Marcel Hirscher) zu verdanken haben, dass Österreichs Bilanz bei der letzten Weltmeisterschaft nicht absolut vernichtend ausgefallen ist. Dort die sich selbst beweihräuchernde Funktionärs"elite", die nichts außer heiße Luft produziert.
Warum ich mit einem so sportlichen Thema befasse, obwohl das eigentlich nicht mein Schwerpunkt ist? Nun, weil diese Situation ein klarer Spiegel der österreichischen Verhältnisse ist. Auch hier gibt es, auf staatlicher Ebene, eine überbordende, sich selbst beweihräuchernde Funktionärskaste, überwiegend angesiedelt im Kammerunwesen, das sich aus Zwangsabgaben finanziert und einer demokratischen Kontrolle weitgehend entzogen ist. Auch hier wäre es an der Zeit, dass die Leistungsträger, also jene, die diese Funktionärskapazunder am Leben erhalten (müssen), endlich mal sagen, wo der Bartl den Most herholt.
2015/03/06
Betrachtungen über Zinsen und Risiken
Es gibt Leute, die Geld haben, und solche, die Geld brauchen. Auf diese Weise kommt der Geldverleih zustande. Doch ist es üblicherweise nicht damit getan, dass der Gläubiger dem Schuldner eine Summe, sagen wir 1000 Larifari, zur Verfügung stellt und dann im guten Glauben darauf vertraut, den verliehenen Betrag wieder zurückzubekommen. Denn allzu oft ist der Schuldner nicht in der Lage den Betrag ganz oder wenigstens teilweise oder auch nur innerhalb der gesetzten Frist zurückzuzahlen.
Der Gläubiger fordern deswegen einen Zins, um sich gegen ein Ausfallrisiko abzusichern. Und die Höhe des Zinses ist üblicherweise an die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Schuldner gebunden. Einem unsicheren Geschäftspartner wird ein höherer Zins abverlangt. Zumindest in freien Gesellschaften, wo Bürger ohne Einflussnahme Dritter Verträge nach eigenem Ermessen abschließen können, ist das so.
Der Zins reflektiert jedoch nicht nur die Qualität des Schuldners, sondern auch den erwarteten Verfall des Geldwertes, also das, was unter dem etwas schwammigen Begriff der Inflation daherkommt. Denn der Gläubiger will sicherstellen, dass er von dem zurückbekommenem Geld den gleichen Gegenwert an Gütern erwerben kann wie beim Abschluss des Geschäftes.
Es sind also zwei Faktoren, Ausfallrisiko und Geldentwertung, die durch den (positiven) Zins abgebildet werden. Die beiden Faktoren haben eine durchaus unterschiedliche Qualität. Denn das Ausfallrisiko hängt wesentlich mit der Persönlichkeit des Schuldners zusammen, während die Geldentwertung die wirtschaftliche Entwicklung reflektiert.
Bis in die jüngste Vergangenheit waren positive Zinsen der absolute Standard. Es galt als ausgemacht, dass das Geld sukzessive an Wert einbüßt, und schon allein deswegen mussten die Zinsen positiv sein. Und die Kreditwürdigkeit des Schuldners tat noch ein übriges.
Nun kann der Fall eintreten, dass sich die Geldentwertung allmählich abschwächt und schließlich ganz verschwindet. Zumindest kann dies so aussehen, wenn die Preise unverändert bleiben, auch wenn bestimmte Akteure Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen. In diesem Fall bräuchte man keinen Zins mehr, um den Verfall des Geldwertes auszugleichen.
Es soll in der Geschichte Perioden gegeben haben, wo es praktisch keine Inflation gab. Diese Perioden besaßen auch keinerlei wirtschaftliche Dynamik. Dennoch nahmen die Geldverleiher positive Zinsen. Wegen der Ausfallrisiken.
Inzwischen hat sich das Rad der Finanzmathematik weiter gedreht, und negative Zinsen werden immer beliebter. Für das Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner bedeutet das, dass der Gläubiger nach Ablauf der Kreditfrist weniger Geld zurückbekommt, als er dem Schuldner ausgeliehen hat. In einem Szenario mit sinkenden Preisen hat das eine gewisse Plausibilität. Denn wenn die Kaufkraft der beiden Geldbeträge am Anfang und Ende der Kreditlaufzeit dieselbe ist, hat der Gläubiger faktisch keinen Nachteil erlitten. Konkret gesprochen: Wenn die Kaufkraft von 1000 Larifari am Beginn eines Jahres dieselbe ist wie jene von 900 Larifari am Ende des Jahres.
Das Bemerkenswerte an den negativen Zinsen ist nun, dass hierbei die Ausfallrisiken nicht entsprechend gewürdigt werden. Es sei denn, man ginge davon aus, dass OHNE die Ausfallrisiken die Zinsen noch stärker negativ sein müssten, was eine gewisse Plausibilität hätte.
Eine Ungereimtheit bleibt dennoch. Wenn man, auch bei einem deflationären Szenario, am Ende weniger in der Tasche hat als am Beginn (bei gleicher Kaufkraft, wohlgemerkt), warum würde dann jemand nicht einfach auf seinem Geld sitzen bleiben und es nicht verleihen? Schließlich hätte er in diesem Fall am Ende des Jahres mehr Kaufkraft als zu Jahresanfang. In einem deflationären Umfeld bei negativen Zinsen Geld zu verleihen, ist in dieser Betrachtungsweise schon ein bisschen spinnig.
Was aber, wenn es auf der einen Seite eine (vermeintliche) Deflation mit negativen Kreditzinsen gibt, während auf der anderen Seite die Preise bestimmter Güter, die nicht in der offiziellen Inflation erfasst werden, anziehen (asset inflation)? Dann würde nur noch ein Verrückter sein Geld verleihen. Denn der Erwerb von Vermögenswerten (assets) würde potentiellen Gläubiger viel reicher machen als die Vergabe von Krediten zu negativen Zinsen.
Der Gläubiger fordern deswegen einen Zins, um sich gegen ein Ausfallrisiko abzusichern. Und die Höhe des Zinses ist üblicherweise an die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Schuldner gebunden. Einem unsicheren Geschäftspartner wird ein höherer Zins abverlangt. Zumindest in freien Gesellschaften, wo Bürger ohne Einflussnahme Dritter Verträge nach eigenem Ermessen abschließen können, ist das so.
Der Zins reflektiert jedoch nicht nur die Qualität des Schuldners, sondern auch den erwarteten Verfall des Geldwertes, also das, was unter dem etwas schwammigen Begriff der Inflation daherkommt. Denn der Gläubiger will sicherstellen, dass er von dem zurückbekommenem Geld den gleichen Gegenwert an Gütern erwerben kann wie beim Abschluss des Geschäftes.
Es sind also zwei Faktoren, Ausfallrisiko und Geldentwertung, die durch den (positiven) Zins abgebildet werden. Die beiden Faktoren haben eine durchaus unterschiedliche Qualität. Denn das Ausfallrisiko hängt wesentlich mit der Persönlichkeit des Schuldners zusammen, während die Geldentwertung die wirtschaftliche Entwicklung reflektiert.
Bis in die jüngste Vergangenheit waren positive Zinsen der absolute Standard. Es galt als ausgemacht, dass das Geld sukzessive an Wert einbüßt, und schon allein deswegen mussten die Zinsen positiv sein. Und die Kreditwürdigkeit des Schuldners tat noch ein übriges.
Nun kann der Fall eintreten, dass sich die Geldentwertung allmählich abschwächt und schließlich ganz verschwindet. Zumindest kann dies so aussehen, wenn die Preise unverändert bleiben, auch wenn bestimmte Akteure Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen. In diesem Fall bräuchte man keinen Zins mehr, um den Verfall des Geldwertes auszugleichen.
Es soll in der Geschichte Perioden gegeben haben, wo es praktisch keine Inflation gab. Diese Perioden besaßen auch keinerlei wirtschaftliche Dynamik. Dennoch nahmen die Geldverleiher positive Zinsen. Wegen der Ausfallrisiken.
Inzwischen hat sich das Rad der Finanzmathematik weiter gedreht, und negative Zinsen werden immer beliebter. Für das Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner bedeutet das, dass der Gläubiger nach Ablauf der Kreditfrist weniger Geld zurückbekommt, als er dem Schuldner ausgeliehen hat. In einem Szenario mit sinkenden Preisen hat das eine gewisse Plausibilität. Denn wenn die Kaufkraft der beiden Geldbeträge am Anfang und Ende der Kreditlaufzeit dieselbe ist, hat der Gläubiger faktisch keinen Nachteil erlitten. Konkret gesprochen: Wenn die Kaufkraft von 1000 Larifari am Beginn eines Jahres dieselbe ist wie jene von 900 Larifari am Ende des Jahres.
Das Bemerkenswerte an den negativen Zinsen ist nun, dass hierbei die Ausfallrisiken nicht entsprechend gewürdigt werden. Es sei denn, man ginge davon aus, dass OHNE die Ausfallrisiken die Zinsen noch stärker negativ sein müssten, was eine gewisse Plausibilität hätte.
Eine Ungereimtheit bleibt dennoch. Wenn man, auch bei einem deflationären Szenario, am Ende weniger in der Tasche hat als am Beginn (bei gleicher Kaufkraft, wohlgemerkt), warum würde dann jemand nicht einfach auf seinem Geld sitzen bleiben und es nicht verleihen? Schließlich hätte er in diesem Fall am Ende des Jahres mehr Kaufkraft als zu Jahresanfang. In einem deflationären Umfeld bei negativen Zinsen Geld zu verleihen, ist in dieser Betrachtungsweise schon ein bisschen spinnig.
Was aber, wenn es auf der einen Seite eine (vermeintliche) Deflation mit negativen Kreditzinsen gibt, während auf der anderen Seite die Preise bestimmter Güter, die nicht in der offiziellen Inflation erfasst werden, anziehen (asset inflation)? Dann würde nur noch ein Verrückter sein Geld verleihen. Denn der Erwerb von Vermögenswerten (assets) würde potentiellen Gläubiger viel reicher machen als die Vergabe von Krediten zu negativen Zinsen.
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