Vor einigen Jahren wurde ich Zeuge einer bizarren Szene: Vor einer Versammlung internationaler "Experten" hielt ein Professor einen Vortrag. Es ging um das Thema Energie. Zum Abschluss seines Vortrages hatte er noch einen (aus seiner Sicht) besonderen Leckerbissen parat. Er hantierte virtuos mit Wahrscheinlichkeiten für das Ende der Lebendauer von Kraftwerken. Abgesehen davon, dass das von dem Professor vorgestellte "Modell" von etwas dubioser Aussagekraft war, gab es noch etwas anderes, was mir zu denken gab. Die Wahrscheinlichkeiten seines Modells addierten sich nämlich zu Zahlen weit jenseits der 100% auf.
Dabei waren die Zahlenkolonnen gar nicht so lange. Wenn man einigermaßen Kopfrechnen konnte, dann wurde einem innerhalb von Sekunden klar, dass hier etwas nicht stimmte.
Kein Mensch sagte etwas. Ich auch nicht, nahm mir aber vor, nach dem Vortrag direkt mit dem Professor zu reden und ihn zu testen. Und tatsächlich - auch hier zeigte sich, dass der gute Mann nicht Herr seiner Zahlen war. Er mochte ja etwas von Kraftwerkstechnik verstehen, der Umgang mit Wahrscheinlichkeiten gehörte jedoch definitiv nicht zu seinen Stärken.
Wie dem auch sei. Was mich am meisten erstaunte, war der Umstand, dass niemand im Publikum auf diesen offensichtlichen Fehler hinwies. Dafür kann es natürlich mehrere Gründe geben.
Vielleicht waren die Zuhörer schon etwas müde und nicht mehr voll konzentriert. Vielleicht waren sie einfach nur desinteressiert und wollten die Dinge eigentlich gar nicht so genau wissen. Vielleicht war ihnen das Faktum unbekannt, wonach die Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten unabhängiger Ereignisse zusammen genommen maximal 100 % betragen dürfen. Vielleicht war es ihnen einfach nur peinlich, sich in der Öffentlichkeit eine Blöße zu geben.
Wie immer dem auch gewesen sein mag, der Vortrag war ein voller Erfolg. Insbesondere für den Professor, denn immerhin war sein Forschungsprojekt ja mit gutem Steuergeld finanziert worden. Man stelle sich vor, jemand hätte beim Abschlussvortrag auf einen derartig elementaren Fehler hingewiesen. Das hätte auch schlecht für die Geldgeber ausgesehen. Also doch lieber schweigen (falls es überhaupt aufgefallen ist, wie gesagt).
An diese Begebenheit musste ich denken, als ich auf SpiegelOnline einen Artikel über gekonntes Bluffen im Büro las. Ja, es stimmt schon - manchmal kommt man mit Spiegelfechterei ganz schön weit. Schade eigentlich. Vor allem für jene, die wirklich etwas drauf haben, aber es nicht schaffen, sich in Szene zu setzen.
Nun, solange die Anzahl der Spiegelfechter und ihr Einfluss nicht allzu groß sind, sollten wir uns keinen Kopf darüber machen. Bedenklich wird es erst, wenn die Spiegelfechterei zum Volkssport wird und das Sein gegenüber dem Schein ins Hintertreffen gerät.
2014/05/26
2014/05/18
Ungleichheit einmal anders
Ungleichheit ist das Thema unserer Tage. Es ist sicher von Interesse, über die Hintergründe von Ungleichheit zu reflektieren. Ebenso kann man sich natürlich fragen, ob es vielleicht besser wäre, allzu große Ungleichheit gar nicht erst entstehen zu lassen. Und genau hier liegt die Crux: in diesem Attribut allzu groß liegt ein Ermessensspielraum, der sich eben nicht klar abgrenzen lässt. Ab wann ist die Ungleichheit zu groß? Und wer legt das fest? Und wie?
Menschen sind ungleich. Sie mögen zwar gleiche Rechte als Staatsbürger haben. Aber in ihren Fähigkeiten, ihrer Persönlichkeit, ihrer Kreativität sind sie eben doch sehr unterschiedlich. Das gilt nicht zuletzt auch, was ihr Einkommen betrifft. Wenn jemand eine gute Idee hat, diese beharrlich verfolgt und dazu noch das nötige Quantum Glück, dann kann er vielleicht eines Tages auf seine erfolgreiche Geschäftsidee zurückblicken, möge sie nun Google, Apple, Amazon oder Skype heißen.
Es sind immer nur einige wenige, die den Unterschied machen. Und das gilt nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Auch in sportlicher, intellektueller und künstlerischer Hinsicht sind die Befähigungen der Menschen nunmal höchst unterschiedlich verteilt. Nur Leute, die nicht über ihre eigene Nasenspitze hinausdenken können, werden das in Abrede stellen. Von diesen gibt es aber eine ganze Menge.
Und genau deshalb wird die alte Gleichheitsleier immer wieder gesungen, während sich hinter dem Gerede von Gleichheit nichts anderes als - Neid verbirgt. Klar, auch ich hätte gerne ein Unternehmen wie Microsoft gegründet. Auch ich würde gerne so Fußball spielen wie Messi. Auch ich würde gerne eine thailändische Zuckerbrause weltweit vermarkten. Doch all das wurde mir eben nicht in die Wiege gelegt. Vielleicht klappt es ja in einem anderen Leben...
Ungleichheit ist eben ein Faktum unserer Existenz, das sich längst nicht nur im unterschiedlichen Kontostand jedes Einzelnen manifestiert. Das zentrale, wenngleich nur philosophische Problem dahinter ist, dass es keine unabhängige Richtschnur gibt, die es uns erlaubt zu sagen, wieviel Ungleichheit gerecht, zulässig oder nachhaltig ist. Wir wissen es schlicht und einfach nicht.
Während das Thema Ungleichheit in salbungsvollen Politikerreden ein beliebtes Wahlkampftopos ist, mit dem sich gefahrlos auf vermeintlich oder tatsächlich Privilegierte eindreschen lässt, gibt es Bereiche, in denen die Ungleichheit in ebenso ausgeprägter Weise ihr Dasein fristet. Nur sind diese Bereiche eben nicht so der Allgemeinheit zugänglich, weshalb sie nicht die üblichen Neidreflexe auslösen.
Einer dieser Bereiche ist die Wissenschaft. Wenn man sich ansieht, wieviele und welche Institutionen von Fördergeldern profitieren, dann offenbart sich auch hier eine unübersehbare Schlagseite. Da zeigt sich beispielsweise, dass in Europa 0,4% der Forschungseinrichtungen nicht weniger als 34% aller Fördermittel (immerhin etliche Milliarden) in Anspruch nehmen. Mit anderen Worten: die restlichen 99,6% der Teilnehmer müssen mit den verbliebenen zwei Dritteln des Forschungsetats auskommen.
Dieser Sachverhalt gilt im Wesentlichen unabhängig von der Art der Teilnehmer an Forschungsprjekten, also unabhängig davon, ob es sich private Unternehmen oder öffentliche Institutionen handelt. Die Top-Teilnehmer (auch was den wissenschaftlichen Output betrifft), absorbieren auch den größten Teil des Kuchens. So nehmen gut 5% der öffentlichen Institutionen mehr als 56% der Forschungsgelder für sich in Anspruch. Die restlichen 95% der Teilnehmer aus dieser Gruppe müssen sich also mit ingesamt weniger als der Hälfte zufrieden geben.
Man kann getrost davon ausgehen, dass Ähnliches auch in den USA und anderswo gilt. Einige wenige schnappen sich den größeren Teil des Kuchens.
Ist das gerecht? Oder ist es nicht vielmehr völlig verfehlt, diese Frage überhaupt zu stellen? Und ist es nicht so, dass eine renommiete Einrichtung wie etwa die Universität von Cambridge oder das MIT nun einmal bessere Forschungsresultate erzielt und deshalb bessere Forscher anzieht als Universitäten in anderen Ländern, deren Nennung aus politisch-korrekten Gründen hier unterbleiben muss? Es ist eben, wie im Sport, ein Wettbewerb der Ideen und der Kreativität, der hier stattfindet. Und wie in jedem Wettbewerb, so trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen.
Sollte man etwas gegen diese Form der Ungleichheit unternehmen? Ich denke nein, solange sicher gestellt ist, dass der gesamte Pool der Teilnehmer in einem gesunden Konkurrenzverhältnis zueinander steht. Denn dann müssen sich die großen Fische immer gegen ihre Mitbewerber behaupten. Letzteres wird ihnen nur gelingen, wenn sie tatsächlich qualitativ bessere Wissenschaft liefern. Denn eine Institution, die sich auf ihren einstigen Erfolgen ausruht, wird schnell den absteigenden Ast beschreiten und Platz machen für andere, innovative Konkurrenten.
Man kann die Gretchenfrage auch anders stellen: Wäre es besser, mehr Geld an die Underdogs zu vergeben? Das müsste zwangsläufig zu Lasten der bisherigen Platzhirsche gehen, die dann ein kleineres Stück des Kuchens bekämen. Klar könnte eine bessere finanzielle Ausstattung dazu führen, dass eine Hinterwalduniversität den einen oder anderen hochkarätigen Forscher rekrutieren könnte. Aber es stellt sich auch die Frage, ob diese Forscher überhaupt dort arbeiten wollen. Letztlich werden die berühmteren und damit auch finanziell besser gestellten Universitäten auch die fähigeren Leute anziehen. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Denn gerade in einem Bereich wie der Wissenschaft spielt auch das geistige Klima eine zentrale Rolle. Schließlich wollen die führenden Köpfe ja in einem Umfeld arbeiten, das sie fördert und fordert. Oder kann man sich vorstellen, dass Messi sich von heute auf morgen entscheidet, bei einem Drittligisten zu spielen?
Immer wird sich dort, wo es zu einem freien Spiel der Kräfte kommt, Ungleichheit herausbilden. Das gilt in der Wissenchaft, in der Wirtschaft, im Sport, in Musik und Kunst. Manche Maler erzielen eben höhere Preise als andere. Woran das liegt? Man könnte sagen: am Talent des Künstlers. Man könnte aber auch sagen: am Geschmack des Kunstsammlers. Wie dem auch sei, wenn beide zusammenkommen und sich auf einen Preis einigen, dann ist dem Spiel der Kräfte Genüge getan.
Menschen sind ungleich. Sie mögen zwar gleiche Rechte als Staatsbürger haben. Aber in ihren Fähigkeiten, ihrer Persönlichkeit, ihrer Kreativität sind sie eben doch sehr unterschiedlich. Das gilt nicht zuletzt auch, was ihr Einkommen betrifft. Wenn jemand eine gute Idee hat, diese beharrlich verfolgt und dazu noch das nötige Quantum Glück, dann kann er vielleicht eines Tages auf seine erfolgreiche Geschäftsidee zurückblicken, möge sie nun Google, Apple, Amazon oder Skype heißen.
Es sind immer nur einige wenige, die den Unterschied machen. Und das gilt nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Auch in sportlicher, intellektueller und künstlerischer Hinsicht sind die Befähigungen der Menschen nunmal höchst unterschiedlich verteilt. Nur Leute, die nicht über ihre eigene Nasenspitze hinausdenken können, werden das in Abrede stellen. Von diesen gibt es aber eine ganze Menge.
Und genau deshalb wird die alte Gleichheitsleier immer wieder gesungen, während sich hinter dem Gerede von Gleichheit nichts anderes als - Neid verbirgt. Klar, auch ich hätte gerne ein Unternehmen wie Microsoft gegründet. Auch ich würde gerne so Fußball spielen wie Messi. Auch ich würde gerne eine thailändische Zuckerbrause weltweit vermarkten. Doch all das wurde mir eben nicht in die Wiege gelegt. Vielleicht klappt es ja in einem anderen Leben...
Ungleichheit ist eben ein Faktum unserer Existenz, das sich längst nicht nur im unterschiedlichen Kontostand jedes Einzelnen manifestiert. Das zentrale, wenngleich nur philosophische Problem dahinter ist, dass es keine unabhängige Richtschnur gibt, die es uns erlaubt zu sagen, wieviel Ungleichheit gerecht, zulässig oder nachhaltig ist. Wir wissen es schlicht und einfach nicht.
Während das Thema Ungleichheit in salbungsvollen Politikerreden ein beliebtes Wahlkampftopos ist, mit dem sich gefahrlos auf vermeintlich oder tatsächlich Privilegierte eindreschen lässt, gibt es Bereiche, in denen die Ungleichheit in ebenso ausgeprägter Weise ihr Dasein fristet. Nur sind diese Bereiche eben nicht so der Allgemeinheit zugänglich, weshalb sie nicht die üblichen Neidreflexe auslösen.
Einer dieser Bereiche ist die Wissenschaft. Wenn man sich ansieht, wieviele und welche Institutionen von Fördergeldern profitieren, dann offenbart sich auch hier eine unübersehbare Schlagseite. Da zeigt sich beispielsweise, dass in Europa 0,4% der Forschungseinrichtungen nicht weniger als 34% aller Fördermittel (immerhin etliche Milliarden) in Anspruch nehmen. Mit anderen Worten: die restlichen 99,6% der Teilnehmer müssen mit den verbliebenen zwei Dritteln des Forschungsetats auskommen.
Dieser Sachverhalt gilt im Wesentlichen unabhängig von der Art der Teilnehmer an Forschungsprjekten, also unabhängig davon, ob es sich private Unternehmen oder öffentliche Institutionen handelt. Die Top-Teilnehmer (auch was den wissenschaftlichen Output betrifft), absorbieren auch den größten Teil des Kuchens. So nehmen gut 5% der öffentlichen Institutionen mehr als 56% der Forschungsgelder für sich in Anspruch. Die restlichen 95% der Teilnehmer aus dieser Gruppe müssen sich also mit ingesamt weniger als der Hälfte zufrieden geben.
Man kann getrost davon ausgehen, dass Ähnliches auch in den USA und anderswo gilt. Einige wenige schnappen sich den größeren Teil des Kuchens.
Ist das gerecht? Oder ist es nicht vielmehr völlig verfehlt, diese Frage überhaupt zu stellen? Und ist es nicht so, dass eine renommiete Einrichtung wie etwa die Universität von Cambridge oder das MIT nun einmal bessere Forschungsresultate erzielt und deshalb bessere Forscher anzieht als Universitäten in anderen Ländern, deren Nennung aus politisch-korrekten Gründen hier unterbleiben muss? Es ist eben, wie im Sport, ein Wettbewerb der Ideen und der Kreativität, der hier stattfindet. Und wie in jedem Wettbewerb, so trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen.
Sollte man etwas gegen diese Form der Ungleichheit unternehmen? Ich denke nein, solange sicher gestellt ist, dass der gesamte Pool der Teilnehmer in einem gesunden Konkurrenzverhältnis zueinander steht. Denn dann müssen sich die großen Fische immer gegen ihre Mitbewerber behaupten. Letzteres wird ihnen nur gelingen, wenn sie tatsächlich qualitativ bessere Wissenschaft liefern. Denn eine Institution, die sich auf ihren einstigen Erfolgen ausruht, wird schnell den absteigenden Ast beschreiten und Platz machen für andere, innovative Konkurrenten.
Man kann die Gretchenfrage auch anders stellen: Wäre es besser, mehr Geld an die Underdogs zu vergeben? Das müsste zwangsläufig zu Lasten der bisherigen Platzhirsche gehen, die dann ein kleineres Stück des Kuchens bekämen. Klar könnte eine bessere finanzielle Ausstattung dazu führen, dass eine Hinterwalduniversität den einen oder anderen hochkarätigen Forscher rekrutieren könnte. Aber es stellt sich auch die Frage, ob diese Forscher überhaupt dort arbeiten wollen. Letztlich werden die berühmteren und damit auch finanziell besser gestellten Universitäten auch die fähigeren Leute anziehen. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Denn gerade in einem Bereich wie der Wissenschaft spielt auch das geistige Klima eine zentrale Rolle. Schließlich wollen die führenden Köpfe ja in einem Umfeld arbeiten, das sie fördert und fordert. Oder kann man sich vorstellen, dass Messi sich von heute auf morgen entscheidet, bei einem Drittligisten zu spielen?
Immer wird sich dort, wo es zu einem freien Spiel der Kräfte kommt, Ungleichheit herausbilden. Das gilt in der Wissenchaft, in der Wirtschaft, im Sport, in Musik und Kunst. Manche Maler erzielen eben höhere Preise als andere. Woran das liegt? Man könnte sagen: am Talent des Künstlers. Man könnte aber auch sagen: am Geschmack des Kunstsammlers. Wie dem auch sei, wenn beide zusammenkommen und sich auf einen Preis einigen, dann ist dem Spiel der Kräfte Genüge getan.
2014/04/21
Ein paar Fakten zur Energiewende
Als im März 2011 ein Tsunami Teile der Ostküste Japans verwüstete und mehr als 10000 Menschen in den Tod riss, schwappte - mit entsprechender zeitlicher Verzögerung - ein Medientsunami über Mitteleuropa und hinterließ vor allem in Deutschland Millionen verängstigter Bürger, die lieber heute als morgen alle Atommeiler vom Netz genommen sähen. Die Frucht dieses medialen Angstspektakels, das auf dem Rücken der Opfer jener Monsterwelle ausgetragen wurde (der Atomunfall in Fukushima hat bis heute kein einziges Todesopfer gefordert), war die sogenannte Energiewende. Das bedeutete in letzter Konsequenz den möglichst raschen Ausstieg aus der Atomenergie und deren Ersetzung durch erneuerbare Energien.
Letztere blickten durch das von der Regierung Schröder verabschiedete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bereits auf ein Jahrzehnt des Booms zurück. Insbesondere Wind- und Sonnenenergie (hier vor allem Photovoltaik) waren die großen Gewinner dieses Gesetzes. Man war also bereits auf gutem Weg, als die Regierung Merkel die Energiewende ausrief. Nun sollte alles nur noch schneller gehen.
Die Medien stürzen sich seither häufig auf das Thema Energiewende, immerhin will Deutschland ja ein Trendsetter sein - weltweit. In kritischen Artikeln wird oft die Explosion der Kosten gerügt, während der allgemeine Tenor überwiegend positiv ist. Die finanzielle Seite ist bestimmt ein gewichtiger Faktor, zumal die privaten Stromkunden längst nicht nur den "Preis für eine Kugel Eis pro Monat" (J. Trittin) berappen müssen. Die technische Seite wird jedoch so gut wie überall ausgeblendet. Wahrscheinlich sind auch die meisten Journalisten damit überfordert, einfache und überall zugängliche Statistiken ein wenig unter die Lupe zu nehmen.
Wie auch immer, an dieser Stelle soll dieser Aspekt etwas mehr Beachtung finden. Ich werde die physikalisch-technischen Begriffe so knapp wie möglich halten, eben soweit sie zum Verständnis meiner Ausführungen unverzichtbar sind.
Und ich beginne bereits mit dem ersten Begriffspaar, das mir am Herzen liegt. Wenn in den Medien von neu installierten Windparks die Rede ist, dann wird nahezu immer die installierte Kapazität (Leistung) in Megawatt (MW) angegeben, zusammen mit erläuternden Statements wie, das sei ausreichend, um 5000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Dieser Vergleich ist zwar einleuchtend, aber auch hochgradig irreführend. Denn 500 MW an installierter Windstromleistung sind eben nicht das gleiche wie 500 MW an konventioneller Kraftwerksleistung.
Warum ist das so? Nun, ein Kraftwerk, egal welcher Art, ist idealerweise darauf ausgelegt, permanent Strom zu liefern. Die Wirtschaftlichkeit der Anlage korreliert mit der Anzahl der Betriebsstunden. Das heißt, je länger die Anlage am Netz ist, umso unwirtschaftlicher ist ihr Betrieb. Konventionelle Kraftwerke sollen eben nicht ständig hoch- und runtergefahren werden.
Ein Jahr hat 8760 Stunden, und ein Kraftwerk mit einer Leistung von 1 Gigawatt ( 1 GW = 1000 MW) kann also idealerweise (bei permanentem Betrieb) 8760 GWh (Gigawattstunden) Strom (elektrischer Energie) pro Jahr liefern. Nun ist bekanntlich nichts ideal auf dieser Welt, und auch konventionelle Kraftwerke müssen gelegentlich gewartet werden, sodass im statistischen Mittel die gelieferte Strommenge etwas geringer sein wird als der Idealwert. Um ein Gefühl für diese Werte zu bekommen, sei auf die Statistiken der Internationalen Energieagentur verwiesen, die u.a.hier abrufbar sind. So ergibt sich etwa aus den Zahlen für Nuklearenergie, dass die zehn größten Produzenten durchschnittlich 8000 GWh pro installierter Leistung von 1 GW liefern. Für die 10 größten Produzenten von Wasserkraft liegt der entsprechende Wert bei knapp unter 3400 GWh/GW.
Wie sieht es bei den Erneuerbaren Energien in Deutschland aus? Informationen hierzu finden sich in den Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien. Aus den dort gegebenen Zeitreihen ergeben sich für die Produktivitäten im Zeitraum 2000 bis 2012 folgende Werte:
Wind (an Land und auf See): ca. 1500 GWh/GW
Photovoltaik (PV) ca. 650 GWh/GW
Die Energieausbeute, insbesondere für PV, ist in Deutschland wesentlich geringer als in südeuropäischen Ländern (z.B. Spanien, wo der entsprechende Wert mehr als doppelt so hoch liegt). Den graphischen Verlauf der deutschen Zeitreihen veranschaulicht Fig. 1:
Was die Zahl der tatsächlich erzeugten GWh pro Jahr betrifft, so liefert Fig. 2 hierzu Anschauungsmaterial. Die Kurven zeigen einen stark steigenden Trend, was angesichts des kräftigen Ausbaus der Kapazitäten nicht weiter erstaunlich ist. Und, was nach dem oben Gesagten nicht weiter verwunderlich ist, Wind generiert deutlich mehr Strom als Photovoltaik.
Schließlich wollen wir uns ansehen, was es mit den EEG-Zahlungen an die glücklichen Besitzer von Wind- bzw. PV-Anlagen auf sich hat. Fig. 3 liefert uns hierzu Anschaungsmaterial. Was an dieser Graphik in Auge sticht, ist der Umstand, dass es die Photovoltaik trotz deutlich geringerer Produktionszahlen geschafft hat, die im Vergleich dazu produktivere Windenergie an EEG-Vergütungszahlungen auszustechen (ab 2010).
Mit anderen Worten: Wer unwirtschaftlicher produziert, bekommt mehr Geld. Die EEG-Vergütungen an PV-Stromerzeuger waren 2013 fast doppelt so hoch wie jene an Windstromproduzenten. Das ist angesichts der Erkenntnisse, die wir in Fig. 1 gewonnen haben, nachgerade atemberaubend.
Eine Frage drängst sich unmittelbar auf: Würde man das gleiche Ergebnis bekommen, wenn man die Energieproduktion aus erneuerbaren Energien den reinen Marktkräften überließe?
Letztere blickten durch das von der Regierung Schröder verabschiedete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bereits auf ein Jahrzehnt des Booms zurück. Insbesondere Wind- und Sonnenenergie (hier vor allem Photovoltaik) waren die großen Gewinner dieses Gesetzes. Man war also bereits auf gutem Weg, als die Regierung Merkel die Energiewende ausrief. Nun sollte alles nur noch schneller gehen.
Die Medien stürzen sich seither häufig auf das Thema Energiewende, immerhin will Deutschland ja ein Trendsetter sein - weltweit. In kritischen Artikeln wird oft die Explosion der Kosten gerügt, während der allgemeine Tenor überwiegend positiv ist. Die finanzielle Seite ist bestimmt ein gewichtiger Faktor, zumal die privaten Stromkunden längst nicht nur den "Preis für eine Kugel Eis pro Monat" (J. Trittin) berappen müssen. Die technische Seite wird jedoch so gut wie überall ausgeblendet. Wahrscheinlich sind auch die meisten Journalisten damit überfordert, einfache und überall zugängliche Statistiken ein wenig unter die Lupe zu nehmen.
Wie auch immer, an dieser Stelle soll dieser Aspekt etwas mehr Beachtung finden. Ich werde die physikalisch-technischen Begriffe so knapp wie möglich halten, eben soweit sie zum Verständnis meiner Ausführungen unverzichtbar sind.
Und ich beginne bereits mit dem ersten Begriffspaar, das mir am Herzen liegt. Wenn in den Medien von neu installierten Windparks die Rede ist, dann wird nahezu immer die installierte Kapazität (Leistung) in Megawatt (MW) angegeben, zusammen mit erläuternden Statements wie, das sei ausreichend, um 5000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Dieser Vergleich ist zwar einleuchtend, aber auch hochgradig irreführend. Denn 500 MW an installierter Windstromleistung sind eben nicht das gleiche wie 500 MW an konventioneller Kraftwerksleistung.
Warum ist das so? Nun, ein Kraftwerk, egal welcher Art, ist idealerweise darauf ausgelegt, permanent Strom zu liefern. Die Wirtschaftlichkeit der Anlage korreliert mit der Anzahl der Betriebsstunden. Das heißt, je länger die Anlage am Netz ist, umso unwirtschaftlicher ist ihr Betrieb. Konventionelle Kraftwerke sollen eben nicht ständig hoch- und runtergefahren werden.
Ein Jahr hat 8760 Stunden, und ein Kraftwerk mit einer Leistung von 1 Gigawatt ( 1 GW = 1000 MW) kann also idealerweise (bei permanentem Betrieb) 8760 GWh (Gigawattstunden) Strom (elektrischer Energie) pro Jahr liefern. Nun ist bekanntlich nichts ideal auf dieser Welt, und auch konventionelle Kraftwerke müssen gelegentlich gewartet werden, sodass im statistischen Mittel die gelieferte Strommenge etwas geringer sein wird als der Idealwert. Um ein Gefühl für diese Werte zu bekommen, sei auf die Statistiken der Internationalen Energieagentur verwiesen, die u.a.hier abrufbar sind. So ergibt sich etwa aus den Zahlen für Nuklearenergie, dass die zehn größten Produzenten durchschnittlich 8000 GWh pro installierter Leistung von 1 GW liefern. Für die 10 größten Produzenten von Wasserkraft liegt der entsprechende Wert bei knapp unter 3400 GWh/GW.
Wie sieht es bei den Erneuerbaren Energien in Deutschland aus? Informationen hierzu finden sich in den Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien. Aus den dort gegebenen Zeitreihen ergeben sich für die Produktivitäten im Zeitraum 2000 bis 2012 folgende Werte:
Wind (an Land und auf See): ca. 1500 GWh/GW
Photovoltaik (PV) ca. 650 GWh/GW
Die Energieausbeute, insbesondere für PV, ist in Deutschland wesentlich geringer als in südeuropäischen Ländern (z.B. Spanien, wo der entsprechende Wert mehr als doppelt so hoch liegt). Den graphischen Verlauf der deutschen Zeitreihen veranschaulicht Fig. 1:
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| Fig. 1 |
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| Fig. 2 |
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| Fig. 3 |
Eine Frage drängst sich unmittelbar auf: Würde man das gleiche Ergebnis bekommen, wenn man die Energieproduktion aus erneuerbaren Energien den reinen Marktkräften überließe?
2014/03/19
Eine neue Studie zum Energiesparen
Und wieder wird eine Sau durchs digitale Dorf getrieben. SPON berichtet von einer Studie, die behauptet, dass sich in den nächsten 20 Jahren (genauer: bis 2035) durch eine höhere Energieeffizienz insgesamt bis zu 20 Milliarden Euro einsparen ließen.
Studie, das klingt nach seriöser, wissenschaftlicher Vorgangsweise, durchgeführt von unbestechlichen Experten. Aber Studien werden auch oft mit einem Hintergedanken erstellt, um gewisse Aspekte der Welt hervorzuheben und andere in den Hintergrund zu rücken. Mit anderen Worten: nicht jedes Ding, das unter dem Titel Studie daherkommt, ist tatsächlich so unabhängig und objektiv, wie es der Name suggeriert.
Ganz nüchtern betrachtet, müsste jede Studie in der Tat völlig ergebnisoffen sein. Denn schließlich wagt man sich in Bereiche vor, die man noch nicht kennt. Und da ist bekanntlich vieles möglich. So ist es also nicht auszuschließen, dass eine Studie zum Energiesparen ergäbe, dass es hierfür praktisch kein weiteres Potenzial mehr gibt. Aber Nullergebnisse dieser Art sind nicht besonders beliebt, insbesondere wenn der Auftraggeber anderes im Sinn hat.Und wer würde schon für ein Ergebnis bezahlen wollen, das den eigenen Erwartungen widerspricht?
Überhaupt sollte man sich von Studien, so seriös sie auch daherkommen mögen, nicht ins Bockshorn jagen lassen. Seit Jahrzehnten versuchen Heerscharen von Wirtschaftswissenschaftlern mit immer ausgefeilteren Methoden und Hochleistungscomputern die wirtschaftliche Entwicklung für ein Jahr vorherzusagen - mit Ergebnissen, die man bestenfalls als dürftig bezeichnen kann. Wie muss es sich dann erst mit Prognosen verhalten, die Jahrzehnte in die Zukunft blicken und außerdem, verglichen mit den Ökonomen, eine deutlich geringere empirische Basis haben. Also ruhig Blut ist angesagt, wenn es wieder mal darum geht, den Zustand der Welt im Jahre 2035 zu erraten, denn um nichts anderes geht es in den allermeisten Studien.
In vielen dieser Untersuchungen geht es um Geld, so auch hier. Und wenn es um Geld geht, beeindrucken vor allem die großen Zahlen. Deshalb werfen viele Studien mit Milliarden nur so um sich. Und weil es sich um so große Beträge handelt, die auch der fließigste Bürger (von Einzelfällen abgesehen) niemals in seinem Leben erwirtschaften kann, lassen wir uns davon beeindrucken, mitunter auch einschüchtern.
Doch alles relativiert sich, sobald wir Milliarden mit Milliarden vergleichen. Der SPON-Artikel suggeriert, dass dieses gewaltige Einsparpotenzial den Anstieg des Strompreises, der in erster Linie auf die Ökostrom-Umlage zurückzuführen ist, "nicht nur bremsen, sondern sogar umkehren" könnte. Spätenstens hier ist der letzte schläfrige Leser aufgewacht, denn diese Aussichten wären ja zu schön, um wahr zu sein.
Die Ökostrum-Umlage, jener berüchtige Preistreiber, soll also de facto unschädlich gemacht werden. Nun gut, sehen wir uns mal diese Umlage etwas genauer an. Sie wird in dem neuesten Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation 2014 eingehend unter die Lupe genommen (Seite 51 des Gutachtens). Wenn man die dort aufgelisteten Zahlen zusammenzählt, dann ergbit sich für die gesamten geleisteten Vergütungszahlungen nach dem EEG (von 2000 bis 2013) die stolze Summe von fast 123 Milliarden EUR. Der Trend dieser Vergütungszahlungen war in all diesen Jahren stark steigend, und ich persönlich würde in absehbarer Zeit nicht mit einem rückläufigen Trend rechnen. Es wird also bis zum Jahr 2035, das Referenzjahr der Studie, noch einiges an Vergütungen nach dem EEG hinzukommen.
Aber stellen wir uns mal ganz dumm, und nehmen wir an, dass ab 2014 keine Ökostromvergütungen mehr ausgezahlt werden. Selbst unter dieser ganz unrealistischen Annahme würden die Einsparungen nur etwa 16% der bereits geleisteten EEG-Umlage ausmachen. De facto wird die Umlage jedoch weiterlaufen, sodass sich das Missverhältnis zwischen dem Einsparpotenzial und Ökostrom-Umlage weiter verstärken wird (und zwar zugunsten der letzteren). Allein in den Jahren 2012 und 2013 wurden jeweils mehr als 20 Milliarden EUR für diese Umlage ausgezahlt. Wie man unter diesen Umständen davon reden kann, dass sich der Preisschub sogar umkehren könnte, bleibt das Geheimnis der SPON-Redateurin bzw. der Studienautoren.
Studie, das klingt nach seriöser, wissenschaftlicher Vorgangsweise, durchgeführt von unbestechlichen Experten. Aber Studien werden auch oft mit einem Hintergedanken erstellt, um gewisse Aspekte der Welt hervorzuheben und andere in den Hintergrund zu rücken. Mit anderen Worten: nicht jedes Ding, das unter dem Titel Studie daherkommt, ist tatsächlich so unabhängig und objektiv, wie es der Name suggeriert.
Ganz nüchtern betrachtet, müsste jede Studie in der Tat völlig ergebnisoffen sein. Denn schließlich wagt man sich in Bereiche vor, die man noch nicht kennt. Und da ist bekanntlich vieles möglich. So ist es also nicht auszuschließen, dass eine Studie zum Energiesparen ergäbe, dass es hierfür praktisch kein weiteres Potenzial mehr gibt. Aber Nullergebnisse dieser Art sind nicht besonders beliebt, insbesondere wenn der Auftraggeber anderes im Sinn hat.Und wer würde schon für ein Ergebnis bezahlen wollen, das den eigenen Erwartungen widerspricht?
Überhaupt sollte man sich von Studien, so seriös sie auch daherkommen mögen, nicht ins Bockshorn jagen lassen. Seit Jahrzehnten versuchen Heerscharen von Wirtschaftswissenschaftlern mit immer ausgefeilteren Methoden und Hochleistungscomputern die wirtschaftliche Entwicklung für ein Jahr vorherzusagen - mit Ergebnissen, die man bestenfalls als dürftig bezeichnen kann. Wie muss es sich dann erst mit Prognosen verhalten, die Jahrzehnte in die Zukunft blicken und außerdem, verglichen mit den Ökonomen, eine deutlich geringere empirische Basis haben. Also ruhig Blut ist angesagt, wenn es wieder mal darum geht, den Zustand der Welt im Jahre 2035 zu erraten, denn um nichts anderes geht es in den allermeisten Studien.
In vielen dieser Untersuchungen geht es um Geld, so auch hier. Und wenn es um Geld geht, beeindrucken vor allem die großen Zahlen. Deshalb werfen viele Studien mit Milliarden nur so um sich. Und weil es sich um so große Beträge handelt, die auch der fließigste Bürger (von Einzelfällen abgesehen) niemals in seinem Leben erwirtschaften kann, lassen wir uns davon beeindrucken, mitunter auch einschüchtern.
Doch alles relativiert sich, sobald wir Milliarden mit Milliarden vergleichen. Der SPON-Artikel suggeriert, dass dieses gewaltige Einsparpotenzial den Anstieg des Strompreises, der in erster Linie auf die Ökostrom-Umlage zurückzuführen ist, "nicht nur bremsen, sondern sogar umkehren" könnte. Spätenstens hier ist der letzte schläfrige Leser aufgewacht, denn diese Aussichten wären ja zu schön, um wahr zu sein.
Die Ökostrum-Umlage, jener berüchtige Preistreiber, soll also de facto unschädlich gemacht werden. Nun gut, sehen wir uns mal diese Umlage etwas genauer an. Sie wird in dem neuesten Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation 2014 eingehend unter die Lupe genommen (Seite 51 des Gutachtens). Wenn man die dort aufgelisteten Zahlen zusammenzählt, dann ergbit sich für die gesamten geleisteten Vergütungszahlungen nach dem EEG (von 2000 bis 2013) die stolze Summe von fast 123 Milliarden EUR. Der Trend dieser Vergütungszahlungen war in all diesen Jahren stark steigend, und ich persönlich würde in absehbarer Zeit nicht mit einem rückläufigen Trend rechnen. Es wird also bis zum Jahr 2035, das Referenzjahr der Studie, noch einiges an Vergütungen nach dem EEG hinzukommen.
Aber stellen wir uns mal ganz dumm, und nehmen wir an, dass ab 2014 keine Ökostromvergütungen mehr ausgezahlt werden. Selbst unter dieser ganz unrealistischen Annahme würden die Einsparungen nur etwa 16% der bereits geleisteten EEG-Umlage ausmachen. De facto wird die Umlage jedoch weiterlaufen, sodass sich das Missverhältnis zwischen dem Einsparpotenzial und Ökostrom-Umlage weiter verstärken wird (und zwar zugunsten der letzteren). Allein in den Jahren 2012 und 2013 wurden jeweils mehr als 20 Milliarden EUR für diese Umlage ausgezahlt. Wie man unter diesen Umständen davon reden kann, dass sich der Preisschub sogar umkehren könnte, bleibt das Geheimnis der SPON-Redateurin bzw. der Studienautoren.
2014/02/26
Brain Drain
Spiegel Online beklagt die Abwanderung hochqualifizierter Wissenschaftler aus Deutschland. Betrachten wir die Sache ganz nüchtern: Wenn ein Land seinen intelligentesten Köpfen entsprechende Arbeitsbedingungen bietet, dann werden diese im allgemeinen auch dort bleiben. Wenn aber für diese der zu erwartende Nutzen in keinem Verhältnis zum vorausgehenden Aufwand steht, sieht die Sache schon anders aus.
Nun könnte man auch sagen: es wird über Bedarf produziert. Es gibt also mehr Spitzenforscher als Stellen für diese. Die unvermeidliche Folge ist: man exportiert Top-Leute ins Ausland. Aber es ist nicht nur das. Das deutsche Universitätssystem setzt seine jungen Talente einem Spießrutenlauf aus, an dessen Ende nicht sicher ist, ob der Kandidat mit einer sicheren Stelle (Professur) rechnen kann oder nicht. Denn Qualität scheint nicht die einzige Währung zu sein, die in diesem Spiel zählt. Auch die richtigen Leute zu kennen, kann über Sein oder Nichtsein entscheiden. Ich selbst kenne solche Fälle.
Fast noch ergiebiger als der SPON-Artikel ist der Kommentarteil, und hier vor allem jene Kommentare, die von ausgewanderten Wissenschaftler stammen. KEIN EINZIGER von diesen äußert den Wunsch, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Im Gegenteil, sie haben offenbar die richtige Entscheidung getroffen. Zugegeben, das mag keine objektive Stichprobe sein, aber eine klare Aussage ist es allemal.
Während des Spießrutenlaufs ist die finanzielle Situation der angehenden Spitzenforscher nicht gerade rosig. Zum einen müssen sie sich von einem Zeitvertrag zum anderen hangeln, zum anderen werden sie mit Gehältern abgespeist, die ihren gleichaltrigen Kollegen aus der Industrie nur ein müdes Lächeln abringen. Und wer es nach 12 Jahren noch nicht geschafft hat, auf einem Professorenstuhl zu sitzen, der hat Pech gehabt: in der Regel zu alt für einen Industriejob, und ein weiterer Zeitvertrag würde die Universitätsverwaltung in unabsehbare rechtliche Probleme bringen - dann eben tschüss....
Es wäre allerdings allzu kurz gedacht, schöbe man alles auf rein finanzielle Faktoren. Wissenschaft gedeiht in einem bestimmten geistigen Klima. Also dort, wo die Neugier uneingeschränkt walten kann und der Fortschritt nicht als Bedrohung, sondern als Chance begriffen wird. Als Teil der Lösung und nicht als Teil (oder gar Ursache) des Problems. Doch gerade hier hat die Revolution der 68er ihren unverkennbaren Fußabdruck hinterlassen. Der Fortschrittsoptimismus jener, die Deutschland aus dem Trümmerfeld des Krieges aufgebaut haben, wich einer diffusen Zukunftsangst, die bis heute anhält. Dabei geht es in den wenigsten Fällen um eine sachlich-nüchterne Analyse der Chancen und Risiken, die jede wissenschaftliche Entwicklung notgedrungen mit sich bringt. Vielmehr bricht sich eine dumpfe Abwehrreaktion Bahn, die von Politik (wenigstens in Teilen) und Medien eilfertig bedient wird. Wie sonst ist es zu erklären, dass Leute, die ein überdurchschnittliches Bildungsniveau erlangt haben, ihre Kinder nicht mehr zum Impfen schicken? Wie sonst ist es zu erklären, dass die rot-grüne Landesregierung von Baden-Württemberg das Schulfach Biologie abschaffen will? In beiden Fällen geht es ausschließlich um Ideologie, mit einer sachlichen Auseinandersetzung hat das nichts zu tun. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Hier wird eine Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit kultiviert, die ihre Schattenseiten mehr als deutlich offenbart.
Apropos geistiges Klima: Herausragend zu sein ist in Deutschland (auch in Österreich) suspekt. Dort wird eher das Mittelmaß gepflegt und gehätschelt. Das ist politisch opportun und bringt zudem mehr Wählerstimmen. Doch auch die Medien spielen hier einmal mehr eine Rolle. Menschen, die etwas Außergewöhnliches erreicht haben, machen sich verdächtig. Warum sollte einer, der überdurchschnittlich begabt ist und Entsprechendes geleistet hat, nicht auch überdurchschnittlich entlohnt werden?
In der Schule ist der Schwächste das Maß aller Dinge. Politik und Medien wollen es so. Keiner soll sozial benachteiligt sein. Die Aufmerksamkeit gilt dem Nachzügler. Der Überflieger hingegen läuft Gefahr zum Buhmann zu werden. Hauptsache, es geht "sozial gerecht" zu. Lieber lässt man die Guten verblöden, als dass man nicht versuchen würde, aus einem Blöden ein (verkanntes) Genie zu machen. Anstatt anzuerkennen, dass jeder andere Talente hat (und manche auch gar keins...), hängt man immer noch am Credo der 68er Pädagogik - in jedem Kind stecke ein potentieller Nobelpreisträger.
Unliebsame Entwicklungen geschehen selten über Nacht. Und oft genug gibt es dafür mehr als eine Ursache. Auf lange Sicht können so jedoch die Grundfesten eines (einstigen) Hochtechnologielandes erodiert werden.
Nun könnte man auch sagen: es wird über Bedarf produziert. Es gibt also mehr Spitzenforscher als Stellen für diese. Die unvermeidliche Folge ist: man exportiert Top-Leute ins Ausland. Aber es ist nicht nur das. Das deutsche Universitätssystem setzt seine jungen Talente einem Spießrutenlauf aus, an dessen Ende nicht sicher ist, ob der Kandidat mit einer sicheren Stelle (Professur) rechnen kann oder nicht. Denn Qualität scheint nicht die einzige Währung zu sein, die in diesem Spiel zählt. Auch die richtigen Leute zu kennen, kann über Sein oder Nichtsein entscheiden. Ich selbst kenne solche Fälle.
Fast noch ergiebiger als der SPON-Artikel ist der Kommentarteil, und hier vor allem jene Kommentare, die von ausgewanderten Wissenschaftler stammen. KEIN EINZIGER von diesen äußert den Wunsch, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Im Gegenteil, sie haben offenbar die richtige Entscheidung getroffen. Zugegeben, das mag keine objektive Stichprobe sein, aber eine klare Aussage ist es allemal.
Während des Spießrutenlaufs ist die finanzielle Situation der angehenden Spitzenforscher nicht gerade rosig. Zum einen müssen sie sich von einem Zeitvertrag zum anderen hangeln, zum anderen werden sie mit Gehältern abgespeist, die ihren gleichaltrigen Kollegen aus der Industrie nur ein müdes Lächeln abringen. Und wer es nach 12 Jahren noch nicht geschafft hat, auf einem Professorenstuhl zu sitzen, der hat Pech gehabt: in der Regel zu alt für einen Industriejob, und ein weiterer Zeitvertrag würde die Universitätsverwaltung in unabsehbare rechtliche Probleme bringen - dann eben tschüss....
Es wäre allerdings allzu kurz gedacht, schöbe man alles auf rein finanzielle Faktoren. Wissenschaft gedeiht in einem bestimmten geistigen Klima. Also dort, wo die Neugier uneingeschränkt walten kann und der Fortschritt nicht als Bedrohung, sondern als Chance begriffen wird. Als Teil der Lösung und nicht als Teil (oder gar Ursache) des Problems. Doch gerade hier hat die Revolution der 68er ihren unverkennbaren Fußabdruck hinterlassen. Der Fortschrittsoptimismus jener, die Deutschland aus dem Trümmerfeld des Krieges aufgebaut haben, wich einer diffusen Zukunftsangst, die bis heute anhält. Dabei geht es in den wenigsten Fällen um eine sachlich-nüchterne Analyse der Chancen und Risiken, die jede wissenschaftliche Entwicklung notgedrungen mit sich bringt. Vielmehr bricht sich eine dumpfe Abwehrreaktion Bahn, die von Politik (wenigstens in Teilen) und Medien eilfertig bedient wird. Wie sonst ist es zu erklären, dass Leute, die ein überdurchschnittliches Bildungsniveau erlangt haben, ihre Kinder nicht mehr zum Impfen schicken? Wie sonst ist es zu erklären, dass die rot-grüne Landesregierung von Baden-Württemberg das Schulfach Biologie abschaffen will? In beiden Fällen geht es ausschließlich um Ideologie, mit einer sachlichen Auseinandersetzung hat das nichts zu tun. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Hier wird eine Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit kultiviert, die ihre Schattenseiten mehr als deutlich offenbart.
Apropos geistiges Klima: Herausragend zu sein ist in Deutschland (auch in Österreich) suspekt. Dort wird eher das Mittelmaß gepflegt und gehätschelt. Das ist politisch opportun und bringt zudem mehr Wählerstimmen. Doch auch die Medien spielen hier einmal mehr eine Rolle. Menschen, die etwas Außergewöhnliches erreicht haben, machen sich verdächtig. Warum sollte einer, der überdurchschnittlich begabt ist und Entsprechendes geleistet hat, nicht auch überdurchschnittlich entlohnt werden?
In der Schule ist der Schwächste das Maß aller Dinge. Politik und Medien wollen es so. Keiner soll sozial benachteiligt sein. Die Aufmerksamkeit gilt dem Nachzügler. Der Überflieger hingegen läuft Gefahr zum Buhmann zu werden. Hauptsache, es geht "sozial gerecht" zu. Lieber lässt man die Guten verblöden, als dass man nicht versuchen würde, aus einem Blöden ein (verkanntes) Genie zu machen. Anstatt anzuerkennen, dass jeder andere Talente hat (und manche auch gar keins...), hängt man immer noch am Credo der 68er Pädagogik - in jedem Kind stecke ein potentieller Nobelpreisträger.
Unliebsame Entwicklungen geschehen selten über Nacht. Und oft genug gibt es dafür mehr als eine Ursache. Auf lange Sicht können so jedoch die Grundfesten eines (einstigen) Hochtechnologielandes erodiert werden.
2014/02/13
Gefährliche Demokratie
Ein Abstimmungsergebnis kann manchmal recht eigenwillige Folgen nach sich ziehen. Nachdem sich die Schweizer mehrheitlich gegen eine unbegrenzte Zuwanderung ausgesprochen haben, schrillen nun mancherorts die Alarmglocken, kuriose Zwischentöne inklusive.
So meinte ein Politikwissenschaftler in einem ARD-Interview wörtlich:
Doch unabhängig von solchen linguistischen Spitzfindigkeiten, ist es doch bemerkenswert, dass man das elementare Wesen der Mitbestimmung des Volkes als "nicht ungefährlich" bezeichnet. Im Umkehrschluss bedeutet das dann wohl, dass direkte Demokratie gefährlich sei. Das hat was!
Das wirft natürlich die Frage auf: Gefährlich für wen? Für jene Seite, die bei der Abstimmung unterliegt? Für diejenigen, die an der Macht sind und sich plötzlich der Unterstützung ihres Stimmviehs nicht mehr sicher sein können? Für die eingeweihten Zirkel der selbsternannten Eliten, die ihr Geld mit hippen Powerpoint-Präsentationen und salbungsvollem Geschwafel im politkorrekten Einmaleins verdienen und sich nunmehr mit Folgen herumschlagen müssen, die außerhalb ihres Weltbildes liegen?
Nun müsste, streng genommen, diese Gefährlichkeit unabhängig von Ausgang des Votums konstatiert werden. Oder anders formuliert: Hätte der Politikwissenschaftler auch so gesprochen, wenn das Resultat gerade andersherum ausgefallen wäre?
Das eigentlich Spannende an diesem Abstimmungsergebnis ist weniger sein Ausgang, als vielmehr die Reaktion, die es in den Kreisen des politisch-medialen Komplexes ausgelöst hat. Und eine dieser Reaktionen besagt eben, dass die direkte Demokratie (in der Schweiz zumindest) nicht ungefährlich sei. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
Was aber ist die Konsequenz aus solchen, im Grunde genommen antidemokratischen Überlegungen? Abstimmungen aussetzen oder gar nicht erst ansetzen, wenn ein Thema zu "heiß" ist? Möglichkeiten schaffen, Volksentscheide durch das politische Establishment aufheben zu können? Die letzte (oder alleinige) Entscheidung in die Hände eines "Politbüros" zu legen? Sind diese Optionen wirklich völlig gefahrlos?
So meinte ein Politikwissenschaftler in einem ARD-Interview wörtlich:
Die direkte Demokratie in Schweiz ist nicht ungefährlichMüsste es grammatikalisch korrekt nicht doch eher "in der Schweiz" heißen? Egal.
Doch unabhängig von solchen linguistischen Spitzfindigkeiten, ist es doch bemerkenswert, dass man das elementare Wesen der Mitbestimmung des Volkes als "nicht ungefährlich" bezeichnet. Im Umkehrschluss bedeutet das dann wohl, dass direkte Demokratie gefährlich sei. Das hat was!
Das wirft natürlich die Frage auf: Gefährlich für wen? Für jene Seite, die bei der Abstimmung unterliegt? Für diejenigen, die an der Macht sind und sich plötzlich der Unterstützung ihres Stimmviehs nicht mehr sicher sein können? Für die eingeweihten Zirkel der selbsternannten Eliten, die ihr Geld mit hippen Powerpoint-Präsentationen und salbungsvollem Geschwafel im politkorrekten Einmaleins verdienen und sich nunmehr mit Folgen herumschlagen müssen, die außerhalb ihres Weltbildes liegen?
Nun müsste, streng genommen, diese Gefährlichkeit unabhängig von Ausgang des Votums konstatiert werden. Oder anders formuliert: Hätte der Politikwissenschaftler auch so gesprochen, wenn das Resultat gerade andersherum ausgefallen wäre?
Das eigentlich Spannende an diesem Abstimmungsergebnis ist weniger sein Ausgang, als vielmehr die Reaktion, die es in den Kreisen des politisch-medialen Komplexes ausgelöst hat. Und eine dieser Reaktionen besagt eben, dass die direkte Demokratie (in der Schweiz zumindest) nicht ungefährlich sei. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
Was aber ist die Konsequenz aus solchen, im Grunde genommen antidemokratischen Überlegungen? Abstimmungen aussetzen oder gar nicht erst ansetzen, wenn ein Thema zu "heiß" ist? Möglichkeiten schaffen, Volksentscheide durch das politische Establishment aufheben zu können? Die letzte (oder alleinige) Entscheidung in die Hände eines "Politbüros" zu legen? Sind diese Optionen wirklich völlig gefahrlos?
2014/02/11
Beim Buffet
... kann sich bekanntlich jeder nehmen, was und wieviel er will. Und es ist wohl auch keine nobelpreisverdächtige Entdeckung, dass sich jeder in erster Linie das nimmt, was ihm (am besten) schmeckt.
So halte ich es jedenfalls, und ich kenne auch niemanden, der es anders machen würde. Insofern ist die Bemerkung von Martin Schulz, ehemaliger Bürgermeister von Würselen, (zitiert in der Wirtschaftswoche) nicht besonders überraschend. Er meint nämlich:
Die Schweiz nimmt nur das vom Buffet Europa, was ihr schmeckt.
Offenbar will uns Herr Schulz damit sagen, dass die Schweizer gefälligst auch das Nicht-so-Schmackhafte nehmen sollten. Oder hab ich da was falsch verstanden?
So halte ich es jedenfalls, und ich kenne auch niemanden, der es anders machen würde. Insofern ist die Bemerkung von Martin Schulz, ehemaliger Bürgermeister von Würselen, (zitiert in der Wirtschaftswoche) nicht besonders überraschend. Er meint nämlich:
Die Schweiz nimmt nur das vom Buffet Europa, was ihr schmeckt.
Offenbar will uns Herr Schulz damit sagen, dass die Schweizer gefälligst auch das Nicht-so-Schmackhafte nehmen sollten. Oder hab ich da was falsch verstanden?
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